Das Gebrauchtwagengeschäft wird zunehmend professioneller organisiert – auch im mittelständischen Handel. Die Auto Mattern Gruppe treibt diese Entwicklung nun mit einem neuen Projekt in Ostwestfalen voran. In Bünde plant das Unternehmen einen zentralen Gebrauchtwagen-Standort, das Einkauf, Aufbereitung und Verkauf künftig an einem Standort zusammenbringen soll.
Wie Auto Mattern am Dienstag mitteilte, entsteht auf einem rund 7.500 Quadratmeter großen Grundstück an der Ernst-Reuter-Straße ein reiner GW-Betrieb, an dem noch in diesem Jahr der Verkauf starten soll. Mietvertrag und Umbauarbeiten laufen bereits. Ziel sei es, Kunden ein breites, übersichtlich präsentiertes Angebot geprüfter Fahrzeuge an einem Ort zugänglich zu machen.
Gebrauchtwagenmarkt im Wandel
Damit reagiert die Gruppe nach eigenen Angaben auf veränderte Anforderungen im Gebrauchtwagenmarkt, in dem Verfügbarkeit, Transparenz und Vergleichbarkeit eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Fahrzeuge unterschiedlicher Marken sollen künftig zentral angeboten werden – ohne Bindung an herstellerspezifische Vorgaben.
Im Kern steht dabei eine stärkere Zentralisierung der internen Prozesse. Der neue Standort soll zur Drehscheibe für den gruppenweiten Fahrzeugeinkauf werden: Zukäufe der einzelnen Standorte laufen hier zusammen und werden direkt vor Ort professionell aufbereitet. Erst danach gehen die Fahrzeuge in den Verkauf. Für das Unternehmen bedeutet das effizientere Abläufe und einheitliche Qualitätsstandards.
"Wir wollen Gebrauchtwagen so professionell einkaufen und verkaufen, wie es unsere Kunden von uns erwarten", sagte Jannik Herrchen, Spartenleiter Gebrauchtwagen bei der Auto Mattern Gruppe, laut Mitteilung. Mit einem eigenen Standort schaffe man dafür die richtigen Voraussetzungen – "mit mehr Platz, mehr Auswahl und einem klaren Qualitätsversprechen".
Größeres Fahrzeugangebot
Für Kundinnen und Kunden dürfte sich vor allem die größere Auswahl bemerkbar machen. Durch die Bündelung entsteht ein kontinuierlich verfügbares Angebot, das verschiedene Modelle, Preisklassen und Antriebsarten umfasst – von klassischen Verbrennern bis hin zu Elektroautos. Gerade Letztere gewinnen im Gebrauchtwagensegment an Bedeutung. Sinkende Preise und ein wachsendes Angebot könnten den Einstieg in die E-Mobilität erleichtern, insbesondere für Käufer, für die ein Neuwagen bislang keine Option war. Das Unternehmen setzt dabei auf geprüfte Fahrzeuge und standardisierte Aufbereitung.
Neben dem Verkauf spielt auch der Ankauf eine Rolle: Das GW-Zentrum soll als zentrale Anlaufstelle für Fahrzeugbewertungen und Inzahlungnahmen dienen. Kunden können ihr Fahrzeug direkt beim Kauf eines neuen Gebrauchten abgeben – ein Modell, das im Handel weiterhin an Bedeutung gewinnt.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Beratung. Anders als bei markengebundenen Autohäusern soll diese bewusst herstellerunabhängig erfolgen. Fahrzeuge verschiedener Marken stehen parallel zur Auswahl, wodurch direkte Vergleiche innerhalb eines Termins möglich werden. Für Auto Mattern ist das Teil eines strategischen Ansatzes, sich im Gebrauchtwagenbereich stärker als unabhängiger Anbieter zu positionieren.
Verwaltungstrakt in Planung
Auch organisatorisch geht das Unternehmen einen Schritt weiter: Auf dem Gelände ist ein Verwaltungstrakt geplant, in dem zentrale Funktionen gebündelt werden sollen. Kürzere Wege und abgestimmte Prozesse sollen so nicht nur intern Effizienzgewinne bringen, sondern auch das Kundenerlebnis verbessern.
Gleichzeitig bleibt die bestehende Struktur erhalten. Die bisherigen Standorte der Gruppe führen ihr Gebrauchtwagengeschäft fort, ebenso wie der Verkauf und Service für die Marken Fiat und Nissan in unmittelbarer Nähe zum neuen Center. Das Projekt sei damit als Ergänzung gedacht, nicht als Ersatz gewachsener Strukturen, hieß es.
"Bünde ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Teil unserer Unternehmensgeschichte. Es freut mich sehr, dass wir hier nun weiter investieren und dem Standort mit dem Gebrauchtwagen Center eine neue Dimension geben", erklärte Geschäftsführer Jürgen Mattern. Zum Investitionsvolumen machte er zunächst keine Angaben.