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50 Jahre SSH: Im engen Schulterschluss

Die Digitalisierung wird nicht weniger, sondern mehr menschliche Expertise notwendig machen, ist SSH-Geschäftsführer Tobias Plester überzeugt. Mit Vertriebsleiterin Katharina Heyme, Tino Blankenstein als Leiter der Geschäftsfeldentwicklung und dem Technischen Leiter Wolf-Dieter Riege (Bilder von oben links im Uhrzeigersinn) hat die bundesweite SV-Organisation ihre wichtigsten Schaltstellen mit erfahrenen Führungskräften besetzt. 
© Foto: SSH GmbH

Als zukunftsorientierter Branchenplayer setzt die SSH auf ihre starken Partnerbüros und externe Spezialdienstleister, um die nötige Balance von Digitalisierung, Empathie und Expertenwissen zu gewährleisten.

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Deutschlands größte Dachorganisation unabhängiger Kfz-Sachverständiger feiert 2021 ihr 50-jähriges Bestehen. Geschäftsführer Tobias Plester treibt mit seinem Team die notwendige Transformation voran, ohne am traditionellen Markenkern, der Qualität, zu rütteln. Intelligente Produkte und eine Online-Plattform unterstützen die SSH-Partner künftig noch besser.

Seit 1971, als die Schaden-Schnell-Hilfe GmbH von zehn freien Kfz-Sachverständigen in Berlin gegründet wurde, hat sich der Markt für die Begutachtung von Unfallschäden und Fahrzeugbewertungen mehrfach fundamental verändert. Auch die SSH, deren Zentrale bereits seit vielen Jahren in Hamburg sitzt, und ihre deutschlandweit inzwischen 230 Partnerbüros waren einem stetigen Wandel unterworfen. Aus den anfangs fünf K-Versicherern als Kunden sind mehr als 100 Großauftraggeber geworden; das Berufsbild des Kfz-SV ist ebenfalls ein anderes, sowohl was das Aufgabengebiet als auch die technischen Möglichkeiten und Herausforderungen angeht. Trotz Hightech-Fahrzeugen, Materialmix, Foto-Apps und Telegutachten gibt es laut SSH-Geschäftsführer Tobias Plester aber auch wichtige Konstanten im vergangenen halben Jahrhundert Unternehmensgeschichte: den Menschen als zentrale Schnittstelle und die Qualität als oberste Prämisse.

Gemeinsam in die Zukunft

AH: Herr Plester, herzlichen Glückwunsch zum 50-jährigen Firmenjubiläum. Was bedeutet Ihnen diese Zahl in einer immer schnelllebigeren Branche?

T. Plester: Wir als Unternehmen sind natürlich stolz auf die Erfolgsgeschichte, die die SSH in den vergangenen Jahrzehnten gemeinsam mit ihren Partnerbüros geschrieben hat. Diesen gilt mein ganz besonderer Dank, denn eines ist klar: Die Schaden-Schnell-Hilfe GmbH ist nichts ohne ihre Partner! Dies ist ein Gedanke, den wir als Dachorganisation unabhängiger Kfz-Sachverständiger von Beginn an gelebt haben. Auf der anderen Seite stehen unsere Kunden, Dienstleister und Großauftraggeber, deren langjährige Treue sich die SSH durch ihre Wandlungs-, Leistungs- und Zukunftsfähigkeit immer wieder aufs Neue erarbeitet hat. Das Firmenjubiläum ist für mein Team und mich in Hamburg aber natürlich auch eine Verpflichtung, eine starke SSH in die Zukunft zu führen. Dafür setzen wir uns gemeinsam mit den SV-Büros und kompetenten Dienstleistern an unserer Seite Tag für Tag ein.

Totale Flexibilität per Plattform

AH: Welche Unterstützung können Sie aus der Zentrale leisten?

T. Plester: Wir bieten unseren Partnerbüros eine ganze Menge, ohne ihre unternehmerische Freiheit und Verantwortung im jeweiligen Marktgebiet dabei einzuschränken. Unsere Aufgabe ist die optimale Unterstützung aller SSH-Sachverständigen bei der täglichen Arbeit. Dafür haben wir eine neue IT-Strategie mit noch höheren Standards entwickelt. Herzstück wird eine gemeinsam mit unserem langjährigen Software-Partner CombiSystems realisierte neue Plattform sein, die echte Entlastung bietet. SSH Online bindet alle wichtigen externen Partner und Dienstleister an ein System an und vereinfacht damit das Arbeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette: von der Kalkulation über die Ermittlung von Wiederbeschaffungswerten, die Zusammenarbeit mit Restwertbörsen oder die Totalschadenvermarktung bis hin zur optimierten Qualitätssicherung über PremiumCheck oder den Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Hier konnte der Systemverbund CombiPlus und CombiConnect seine ganze Erfahrung in Sachen Software und Konnektivität voll ausspielen. Diese Plattform wird der SSH als Gesamtorganisation totale Flexibilität verleihen, wir können unsere Servicepower überall dort zur Verfügung stellen, wo sie gerade benötigt wird. Nach einem Massenschadenereignis in Bayern werden die Überhänge an Gutachten problemlos und in gleicher Qualität in Flensburg, Köln oder Leipzig geschrieben. Trotzdem sind alle Sachverständigen-Produkte komplett individualisierbar, behalten also in Text, Bildern und Layout die jeweilige Handschrift des Partners vor Ort.

Hauseigene Qualitätsprüfer

AH: Sie hatten die Qualitätssicherung bereits angesprochen, wie kann diese im Rahmen solcher Plattformlösungen auch „auf Entfernung“ gewährleistet werden?

T. Plester: Neben der automatisierten Gutachten-Prüfung in Dunkelverarbeitung nutzen wir im Sinne unserer Kunden und Partner ein durch verschiedene Filter wie Schadenart oder -höhe individuell justierbares QS-Tool. Das garantiert nicht nur höchste Qualität der SV-Produkte intern wie extern: Automatisierte Vorabprüfungen sind für die SSH durch die InHouse-Expertise von Premium-Check kein Thema. Die starken Wachstumsraten unserer Tochtergesellschaft in den vergangenen Jahren belegen die geleistete Arbeit. Ein weiterer Vorteil: Auch die jeweiligen Vorgaben der Versicherung sind automatisch hinterlegt, so dass sich das Partnerbüro voll auf die eigentliche Arbeit konzentrieren kann.

Dies wird auch durch die zentrale Verwaltung unterstützt, die den SSH-Partnern vereinfachte Abläufe und optimierte Prozesse bietet. Zudem ist keine Inhouse-Datensicherung mehr notwendig, was Kosten reduziert und ein flexibleres Arbeiten von überall, also auch direkt beim Versicherungsnehmer, ermöglichen wird. Der Fokus liegt somit voll auf dem Schaden und der schnellen Regulierung. Weitere Energien ergeben sich etwa durch den Zentraleinkauf. Wir können von Hamburg aus also eine ganze Menge bieten!

AH: Online-Plattform, Qualitätssicherung per Dunkelverarbeitung – setzt die SSH dann nicht ebenfalls auf Digitalisierung?

T. Plester: Doch, natürlich tun wir das. Übrigens genau wie unsere Auftraggeber aus der Versicherungswirtschaft und andere Großkunden auch. Wir treiben solche Themen mit eigenen Ressourcen und geeigneten Dienstleistern gemeinsam voran, etwa die bildgestützte Schadenerkennung per künstlicher Intelligenz mit unserem Partner ClaimBuddy. Aber eben nur dort, wo es wirklich sinnhaft ist. Grundsätzlich finden solche Produkte wie die SSH-Foto- oder -Video-Expertise überall Anwendung, wo wir von Außenhautschäden sprechen. Der Halter kann softwaregeführt Fotos von seinem Schaden per App machen, die als Grundlage einer Kalkulation dienen. Alternativ ist auch eine Besichtigung gemeinsam mit einem Kfz-Sachverständigen per Videostream möglich. Sobald dabei der Verdacht auf Beschädigungen an tragenden Teilen, Achsen oder Antrieb aufkommt oder ein Totalschaden vorliegen könnte, vereinbaren wir einen Termin für die persönliche Begutachtung. Das wird auch künftig so bleiben, Digitalisierung nur um der Digitalisierung willen ist nicht unser Anspruch.

Menschliches Know-how unersetzlich

AH: In den vergangenen Jahren ist das Ende des Kfz-Sachverständigen mehr als einmal prophezeit worden. Was macht Sie zuversichtlich, dass SSH-Partner auch künftig unverzichtbar sein werden?

T. Plester: Nicht zuletzt gerade der technische Wandel, der diese Vorhersagen hervorgerufen hat. Natürlich werden die Standardgutachten weniger werden, intelligente EDV-Systeme unsere Sachverständigen von einigen Arbeiten entbinden. Aber der Einsatz digitaler Bewertungsmethoden, Gutachten auf Basis künstlicher Intelligenz und die Interpretation der Ergebnisse werden nicht weniger, sondern mehr SV-Know-how notwendig machen. Um ein hochqualitatives Ergebnis zu erzielen, bleibt die wichtigste Schnittstelle auch künftig der Mensch. Nicht umsonst engagieren wir uns bereits seit Jahren sehr stark in Sachen Aus- und Weiterbildung, aber auch Diversifizierung. Unsere hauseigene SSH-Akademie erweitert ihr Portfolio ständig: Neben Präsenzveranstaltungen implementieren wir zunehmend Onlineseminare.

Durch die Zusammenarbeit mit einem international anerkannten Expertenbüro in Sachen Fahrradtechnik machen wir die SSH-Partner fit für den Umgang mit E-Bikes und Pedelecs. Weitere Marktchancen bieten der boomende Caravanbereich oder die Elektromobilität. Die SSH steht schon immer für ein stark ausgeprägtes Spezialistentum mit breit gefächertem Fachwissen. Von Aggregaten und Brandschäden über Land- oder Baumaschinen bis hin zu Hafengeräten oder Kommunalfahrzeugen gibt es nichts, was unsere Sachverständigen nicht besichtigen und kalkulieren könnten. Unsere Leistungsfähigkeit haben wir zudem bei den Elementarschadenereignissen der letzten Wochen und Monate einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Gerade in Sachen Hagel werden wir uns für die kommenden Jahre noch einmal stärker positionieren.

Hagelkompetenz erweitern

AH: Wo liegt diese Stärke in Sachen Massenschaden begründet und welche Aktivitäten sind geplant?

T. Plester: Hier kommen mehrere Aspekte zusammen. Gerade nach regionalen Unwettern kann die SSH mit ihrer langjährigen Erfahrung und Flächendeckung punkten. Dies gilt für die großen Büros mit mehreren Standorten genauso wie für unsere jeweiligen Elementar-Experten in ganz Deutschland, die die Zusammenarbeit in der betroffenen Region mit anderen, kleineren SSH-Partnern federführend koordinieren. Die von mir angesprochene menschliche Komponente, Empathie für die Versicherungsnehmer ist hier ganz besonders gefragt, gepaart mit technischer Unterstützung. Diese leistet das SSH-Massenschadenportal, ebenfalls gemeinsam mit CombiSystems entwickelt, bereits seit Jahren: Geschädigte Autofahrer erhalten einen QR-Code oder Link und können sich einen passenden Termin für die Besichtigung ihres Fahrzeugs selbst aussuchen. Inzwischen nutzen fast zwei Drittel der Versicherungsnehmer diesen Service, die Informationen laufen größtenteils per Mail oder SMS und nur noch zu einer ganz geringen Quote klassisch am Telefon. Das entlastet unsere Partner, deren Arbeitskraft nach Hagelschlägen direkt am Auto gefragt ist, ganz enorm. 2021 haben wir über das Massenschadenportal bisher 36.000 Aufträge terminiert und abgearbeitet.

Ab der kommenden Saison werden wir als SSH mit einer Web-App, die eine Kalkulation von 70 Prozent aller Hagelschäden nach BVAT-Standard in weniger als einer Minute ermöglicht, sowie einer eigenen Hardwarelösung für den Einsatz nach Großschadenereignissen mit vielen Fahrzeugen, die Schlagzahl noch einmal deutlich erhöhen. Hier laufen aktuell vielversprechende Pilotprojekte.

AH: Herr Plester, vielen Dank für dieses Gespräch. (kt)

Gewährleisten regionale und bei Massenschäden im Verbund mit 230 SSH-Partnern auch deutschlandweite Schlagkraft (Bilder von oben links im Uhrzeigersinn): Marion Bauer (GL Max-Bauer-Gruppe, München), Frank Steinacker (GF Steinacker-Gruppe, Koblenz), Jürgen Glatzel (GF Ing.-Büro Gaul, Stuttgart) und Andreas Franke (GF Franke-Gruppe, Magdeburg).
© Foto: SSH, Presse + PR Pfauntsch
Experten, hauseigene Qualitätssicherung und starke Partner in Sachen Digitalisierung: Das Ökosystem SSH im Überblick.
© Foto: SSH GmbH
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