AvD: "Trend zu Young- und Oldtimern weiter ungebrochen"

09.02.2026 02:05 Uhr | Lesezeit: 6 min
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Der AvD widerspricht dem vermeintlichen Niedergang der Young- und Oldtimerszene mit Nachdruck und verweist auf die seit Jahren steigenden Zuwachsraten bei über 30 bzw. über 20 Jahre alten Klassikern.
© Foto: Standox/KEY Museum

Zuletzt häuften sich Medienberichte, wonach Oldtimer "out" sind. Die Zeiten des sogenannten Garagengolds seien vorbei, heißt es. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) hat sich dieser These angenommen und widerspricht mit Blick auf die aktuellen Kennzahlen deutlich.

Der AvD sieht keinerlei Anzeichen für etwaige Rückgänge der Old- und Youngtimer-Szene. Im Gegenteil: "Nach den jüngsten Veröffentlichungen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) steigt der Bestand an Pkw mit Oldtimerstatus in Deutschland kontinuierlich", so der Automobilclub.

Mehr als 1,55 Mio. Autos im Alter von 30+

Alleine von 2023 mit 793.589 Fahrzeugen  haben sich die Zahlen auf 846.562 (+6,7 Prozent) in 2024 und weiter auf 888.355 (+4,9 Prozent) zu Beginn des Jahres 2025 erhöht. Die Gesamtzahl der Autos, die 30 Jahre und älter sind, lag laut AvD bereits im vergangenen Oktober bei über 1,55 Millionen. Zu diesen klassischen Oldtimern komme eine große Zahl an Youngtimern mit einem Alter von mehr als 20 Jahren. Hier liege der aktuelle Bestand bei über 4,65 Millionen Fahrzeugen. Diese Werte deuten bereits auf eine weitere Verschiebung des historischen Fahrzeugmarktes hin.

Junge Klassiker ab 1970 im Fokus

Abgesehen von echten Kultmodellen wie dem VW Käfer oder Mercedes-Benz 300 SL verlören traditionelle Oldtimer aus der Zeit vor 1970 ein wenig an Attraktivität. Gleichzeitig steige aber das Interesse an den jüngeren Klassikern. Vieles deute darauf hin, dass dieser Trend eng mit dem Generationenwechsel unter den Käufern zusammenhängt. "Dieser Sammler-Nachwuchs ist heute 40 oder 50 Jahre alt und bevorzugt Autos, die sie aus ihrer Jugend kennen, möglichst im Originalzustand und mit geringer Laufleistung."

Alltagstauglichkeit ein wichtigerer Faktor

Zudem sei eine Abkehr vom reinen Anlageobjekt, dem Garagengold, hin zu einem technisch zuverlässigen historischen Fahrzeug zu beobachten, welches deutlich mehr im Alltag eingesetzt werden kann. Modelle wie der Audi Coupé, BMW 3er (E36), Porsche 944 oder VW Golf IV stehen exemplarisch für diese Entwicklung. Ein weiterer entscheidender Faktor sei die gute Verfügbarkeit von Original-Ersatzteilen sowie qualifiziertem Fachpersonal für Wartung und Instandhaltung.

Diese veränderte Nachfrage führe zu unterschiedlichen Wertentwicklungen. Die Historic Automobile Group International (HAGI) erhebt seit Jahrzehnten weltweit Fahrzeug- sowie Transaktionsdaten und veröffentlicht regelmäßig Indizes zur Preisentwicklung klassischer Automobile. Demnach sind insbesondere bei Fahrzeugen mit hoher Verfügbarkeit Preisrückgänge zu verzeichnen. Dies ist beispielsweise bei Mercedes-Benz Pagoden aus den 1960er Jahren oder beim Porsche 911 F-Modell (1965-1973) zu beobachten.

Zuweilen schlägt die Farbe andere Hauptfaktoren

Doch es geht nicht ausschließlich um Hersteller und Typen, wie Dietrich Hatlapa erläutert: "Zustand, Historie und Dokumentation sind ebenso entscheidend für die Wertentwicklung", sagt der HAGI-Experte. "Der Markt ist sehr selektiv." So berichtet Hatlapa von einem BMW Z3 M, der deutlich über dem marktüblichen Preis verkauft wurde. Dieses Modell gehört eigentlich zu den produktionsstärkeren, entscheidend war jedoch eine seltene Farbe.

Klassiker-Messen nachhaltig beliebt

Festzuhalten bleibt, dass Old- und Youngtimer weiterhin voll im Trend sind. Klassik-Messen, wie die Techno-Classica in Essen (zuletzt knapp 200.000 Besucher) oder die Retro Classics in Stuttgart (fast 80.000) verzeichneten auch in 2025 wieder steigende Besucherzahlen und immer mehr Aussteller. Der Deutsche Oldtimer Index (DOX) entwickelt sich seit Jahren positiv und gibt unter den Fahrzeugen mit der größten Wertentwicklung den Ford Taunus 20 M (23,8 Prozent Zuwachs) sowie Opel Rekord C 1700 (11,4 Prozent) an.

Sonderkonditionen bei Oldtimer-Versicherung

Das Automobil ist seit seiner Entwicklung durch Carl Benz im Jahr 1886 eng mit Deutschland verbunden und galt über Jahrzehnte weltweit als Sinnbild deutscher Ingenieurskunst. Der AvD engagiert sich daher laut eigenem Bekunden "aktiv für den Erhalt dieses automobilen Kulturguts, verfügt über mehrere historische Pannenhilfsfahrzeuge im eigenen Fuhrpark und unterstützt zahlreiche Oldtimer-Events. Darüber hinaus profitieren Mitglieder bei der AvD Oldtimer-Versicherung von besonderen Leistungen und attraktiven Sonderkonditionen".

Automobilclub seit über 125 Jahren

Mit seiner über 125-jährigen Historie ist der AvD der traditionsreichste Automobilclub Deutschlands. Seit seiner Gründung im Jahre 1899 vertritt der Club die Interessen der mobilen Gesellschaft. So gehörte der AvD bereits 1904 zu den vier Gründern der IAA (Internationalen Automobil-Ausstellung) in Frankfurt und war im selben Jahr Mitinitiator der AIACR (Association Internationale des Automobile Clubs Reconnus) in Bad Homburg, aus der später der Automobilverband FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) hervorging. Ab 1918 bot der AvD die erste Kfz-Versicherung an und die von ihm ab 1924 ausgestellte "Bestallungsurkunde für Kraftfahrer" gilt als Vorläufer des heutigen Führerscheins.

Auch im Motorsport ist der AvD seit jeher stark engagiert: So organisierte der Club den ersten Großen Preis von Deutschland bereits 1926 auf der legendären AVUS-Rennstrecke in Berlin. Seit 2022 erfreut sich die AvD Drift-Championship als noch junge Motorsportdisziplin international wachsender Beliebtheit. Den rund 1,4 Mio. Mitgliedern und Kunden steht ein umfangreiches Angebot zur Verfügung: Von der weltweiten Pannenhilfe mit eigener 24/7-Notrufzentrale über den globalen Auto- und Reiseschutz mit Krankenrücktransport bis hin zu Auto-, Unfall-, Rechtsschutz- und Auslands-Krankenversicherungen bietet der AvD alles für eine sichere Mobilität.

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