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Deutscher Lackierertag: Komplexe Themen und klare Worte

Auf dem Deutschen Lackierertag 2022 wurden auch die Sieger der Bundesleistungswettbewerbe 2020 und 2021 geehrt.
© Foto: Bundesfachgruppe Fahrzeuglackierer (BFL)

Der Deutsche Lackierertag 2022 im thüringischen Petersberg bei Jena erfüllte mit über 50 Ausstellern und 400 Teilnehmern alle Erwartungen. Der Austragungsort, die Fahrzeugmanufaktur Gehrt Innovation GmbH, verwandelte sich dafür in eine echte Eventlocation.

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Paul Kehle, Gastgeber Mandy Werner und Volker Gehrt sowie Hauptsponsor Frank Forst (Axalta) eröffneten das Branchenevent. Alle Aspekte rund um "die Komplexität der Unfallschadenbeseitigung" wurden von den Referenten und Ausstellern inhaltlich und fachlich abgedeckt.

"Themen, die bewegen"

Mathias Bucksteeg, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz, unter dessen Dach die Bundesfachgruppe Fahrzeuglackierer gehört, zeigte sich äußerst zufrieden: "Bereits die Ausstellerzusagen hatten uns überrascht. Aber noch wichtiger ist, dass wir die Themen aufgegriffen haben, die unsere Branche bewegen. Daraus ergeben sich viele Rückschlüsse für unsere Betriebe. Unsere Besucher wissen jetzt, worauf sie sich einstellen sollten."

Automatische Schadenerkennung

Dass sich die Branche im Umbruch befindet, machten auch die Referenten deutlich. So wurden die Rahmenbedingungen von AZT-Geschäftsführer Dr. Christoph Lauterwasser und Dr. Martin Endlein (DAT) vorgestellt. Endleins Resümee aus dem DAT-Report 2022: "Das Auto ist weiterhin unverzichtbar. Aktuell ist ein wachsender Trend zur Reparatur in der freien Werkstatt festzustellen." Lauterwasser erwartet, dass Schäden zunehmend automatisch erkannt werden. Dies werde Einfluss auf die Prozesskette, wie automatische Ersatzteilbestellung und Planung von Werkstattressourcen haben.

Defizite bei der Kalkulation auf beiden Seiten

In einer Podiumsdiskussion, die Torsten Schmidt (BFL) zwischen Anwendern und Datenanbietern der Kalkulationssysteme leitete, wurde auf Diskrepanzen der Systeme hingewiesen. Gastgeberin Mandy Werner, Thomas Behl (AZT), Bernd Böttinger (Sachverständiger), Axel Krüger (DAT) und Stevens Didssun diskutierten kontrovers. So hinken laut Behl die Kalkulationsprogramme den Lack-Preiserhöhungen hinterher. Erst wenn die Mehrzahl der Lackhersteller ihre Preiserhöhungen durchgeführt hätten, würden die Systeme auf den neuesten Stand gebracht. Bei mehreren Preiserhöhungen in kurzer Folge würde der Aufwand umso arbeitsintensiver.

Steven Diddsun stellte fest, dass die Arbeitswerte von den Versicherungen immer wieder gekürzt würden. Daher solle auch die IFL-Liste "Arbeitspositionen" genutzt werden, um alle Arbeiten abzurechnen. Zudem müssten den Verbänden eklatante Kalkulationsabweichungen gemeldet werden.

Der vereidigte Sachverständige Bernd Böttinger empfahl, alle Kosten, die für die konkrete Reparatur erforderlich sind, fallbezogen zu kalkulieren. Die Kalkulation auf Basis der Herstellervorgaben könne von denen der Instandsetzungsbetriebe
deutlich abweichen.

"Kostenvoranschlag ist keine Rechnung"

Die Co-Gastgeberin des Lackierertages, Mandy Werner, stellte fest, dass der "Kostenvoranschlag nicht gleich Rechnung" sei. "Wenn jedoch Vereinbarungen mit Autohäusern bestehen, haben wir keine Wahl. Hier sind die Betriebe aufgrund der aktuellen Material- und Energiekosten-Steigerung gefordert, die Kosten neu zu verhandeln."

Torsten Schmidt betonte, die Betriebe müssten den Materialindex ermitteln und alle Arbeiten abrechnen, die geleistet wurden. Er warnte zugleich, dass dies keine Einladung zur Selbstbedienung bedeute und stellte erneut das Lackmerkblatt vor, das von der Deutschen Kommission für Lack- und Karosserie-Instandsetzung bereitstellt wurde. Danach entscheidet der Lackfachmann, wie eine fachgerechte Reparatur durchzuführen sei.

Ehrung der Lackheroes

Eine öffentliche Ehrung durch den Präsidenten und das Auditorium erfuhren sechs Teilnehmer der letzten Bundesleistungswettbewerbe 2020 und 2021. Sie wurden als "Lackheroes" beim Deutschen Lackierertag gefeiert. Frank Forst (Axalta) betonte, wie wichtig es sei, den Berufsnachwuchs zu fordern und zu fördern.

Rallye-Legenden als Stargäste

Zum Rahmenprogramm des DLT 2022 gehörte außerdem ein faszinierender Erlebnisbericht der Rallye-Legenden Walter Röhrl und Christian Geistdörfer. Walter Röhrl, dessen Frau mehr als 30 Jahre einen Lackierbetrieb geleitet hat, würdigte das Engagement des Berufsnachwuchses: "Was man mit Begeisterung macht, macht man gut." Beide Motorsportler berichteten von ihrer beispiellosen Karriere. Röhrl: "Ehrgeiz und Disziplin sind die Tugenden, die den Erfolg ausmachen. Ein guter Autofahrer ist derjenige, der seinen gesamten Hirnschmalz aufs Autofahren lenkt."

Warnung vor "wertlosen Online-Schulungen"

Am zweiten Tag des DLT 2022 stellte Michael Zierau, Referatsleiter Technik beim ZKF, die Anforderungen an das Personal und an den Quarantäneplatz für verunfallte Elektrofahrzeuge vor. So sei ein Stromunfall an der relativ kleinen Batterie des Toyota Prius unter ungünstigen Umständen bereits tödlich. Der Karosserie-Verband empfiehlt das Qualifizierungskonzept 2s. Die Schulungen sollten aktuell gehalten werden, da stets neue Technologie hinzukommen und das Wissen aufgefrischt werden müsse. Mitarbeiter, die diese Vorqualifikation nicht vorweisen können, haben eine 80stündige Schulung zu absolvieren. Zierau warnte vor wertlosen Online-Schulungen ohne Praxisanteil.

Farbtonabweichungen kritisch betrachtet

Die Axalta Farbton-Spezialisten Michael Kramer und Dirk Sauer beleuchteten die Gründe für Farbtonabweichungen schon am Band der Autohersteller sowie bei der Reparatur von dreischichtigen Sonderfarbtönen. Wo in den 80er Jahren noch mit Microfilmen gearbeitet wurde, sind heute tagesaktuelle Formeln in der Cloud abrufbar. Auch der Ausmischvorgang hat sich weiterentwickelt von manuellem hin zu automatischen Dosiermaschinen.

Risiken von KI und Dank an den Gastgeber

Olaf Theile (Kanzlei Voigt) stellte klar, dass Prüfdienstleister "in erster Linie die Aufgabe haben, den Schaden nach der Vorgabe des jeweiligen Versicherers zu ,prüfen' – d.h. nach dessen Vorgaben zu kürzen". Die Verarbeitung und Bilderkennung von Unfallschäden sei bereits in der Realität angekommen. Künftige Versicherer-Visionen fokussieren "die Schadenmeldung durch das Auto – ohne den Fahrer". Für die Werkstätten bedeute dies fehlende Aufträge, da sie weggesteuert würden. Das Resümee von Torsten Schmidt, der die Veranstaltung der BFL erstmals verantwortet hat: "Wir haben mit unseren Themen und den hochkarätigen Referenten den Nerv der Branche getroffen. Unser Gastgeber Gehrt Innovation und die Vorträge haben uns gezeigt, wie man heute mit einem richtungsweisenden Angebot lukrativ im Instandsetzungsgeschäft unterwegs sein kann."

Der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz umfasst 300 regionale Innungen und 17 Landesinnungsverbände. Er vertritt 39.722 Maler- und Lackiererbetriebe, davon ca. 3.500 Fahrzeuglackierbetriebe, mit einem Gesamtumsatz von 17,7 Mrd. Euro.

BFL-Präsident Paul Kehle (r.) und Torsten Schmidt (l., Leiter Geschäftsbereich Fahrzeuglackierer im Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz) dankten zum Abschluss der Veranstaltung den Gastgebern Volker Gehrt (2.v.l.) und Mandy Werner (Gehrt Innovation) sowie Frank Forst (2.v.r.) vom Hauptsponsor Axalta.
© Foto: Bundesfachgruppe Fahrzeuglackierer (BFL)
Rallye-Legende Walter Röhrl (r.) und sein kongenialer Beifahrer Christian Geistdörfer waren die Publikationsmagneten des Lackierertags und erzählten aus ihrer glorreichen Zeit, als sie mit Fiat, Opel und den Audi Quattros über viele Jahre alle Wettbewerber in Grund und Boden fuhren.
© Foto: Bundesfachgruppe Fahrzeuglackierer (BFL)
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