Bericht: Zieht Porsche beim Elektro-Boxster den Stecker?

03.02.2026 11:48 Uhr | Lesezeit: 3 min
Porsche 718 Cayman T
Boxster und Cayman (Foto) galten jahrelang als vergleichsweise erschwinglicher Einstieg in die Porsche-Welt.
© Foto: Porsche

Porsche ringt mit seiner E‑Strategie: Wegen explodierender Kosten und massiver Verzögerungen könnte die geplante Elektro‑Neuauflage von Boxster und Cayman gestrichen werden. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus – doch der Druck wächst.

Porsche denkt darüber nach, die geplante Elektro-Neuauflage von Boxster und Cayman zu streichen, weil die Kosten für die bisherige E-Strategie deutlich aus dem Ruder gelaufen sind. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Demnach könnte der neue Vorstandsvorsitzende Michael Leiters die Elektroversionen der 718er-Reihe kippen. Grund seien Entwicklungsverzögerungen und steigende Ausgaben, so die namentlich nicht genannten Insider, während die internen Beratungen weiterlaufen.

Die Benzinversionen der beiden Modelle galten jahrelang als vergleichsweise erschwinglicher Einstieg in die Porsche-Welt, mit Preisen ab rund 70.000 Euro. Sie wurden 2025 eingestellt.

Der Schritt könnte notwendig sein, da Porsche angesichts rückläufiger Verkäufe in China und steigender Kosten für die Kehrtwende in seiner Elektrostrategie vor Budgetbeschränkungen steht. Die Überlegung, die neue Reihe um eine Plug-in-Hybrid-Variante zu ergänzen, hätte die Lage zusätzlich erschwert, da ein solches Modell eine andere technische Basis benötigt. Dies würde das Projekt um mehrere Jahre verzögern, heißt es.

Die mögliche Einstellung der Modellreihe sei eine von Leiters geprüften Optionen, eine endgültige Entscheidung liege jedoch noch nicht vor. Der zum 1. Januar 2026 gestartete CEO steht unter Druck, Einsparungen durchzusetzen und zugleich eine Unterauslastung der Werke zu vermeiden, die durch die gesunkene Nachfrage nach Porsche-Elektroautos droht. Ein Unternehmenssprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

Zahlreiche Baustellen

Die Schwierigkeiten rund um die 718er-Reihe sind Teil eines größeren Problems, das Leiters nach der ins Stocken geratenen Elektrooffensive übernommen hat. Porsche kehrt zu Verbrennungs- und Hybridmodellen zurück, nachdem das Unternehmen seine Prognose im vergangenen Jahr viermal senken musste – ein Rückschlag, der auch die Muttergesellschaft Volkswagen traf. Porsche hatte gewarnt, dass die Kurskorrektur das operative Ergebnis 2025 um bis zu 1,8 Milliarden Euro belasten werde. Zusätzlich kämpft der Autobauer mit höheren Importzöllen in den USA, seinem größten Einzelmarkt.

Die Produktion der 718er-Modelle mit Verbrennungsmotor war im vergangenen Jahr ausgelaufen. Ursprünglich war geplant, die Reihe 2026 in elektrischer Form wieder einzuführen. Im Jahr 2024, dem letzten vollen Produktionsjahr, stiegen die Verkäufe von Boxster und Cayman noch um 15 Prozent auf 23.670 Einheiten.

Nachdem die Porsche-Aktie im vergangenen Jahr aus dem Leitindex DAX gefallen war, hat das Unternehmen angekündigt, seine finanzielle Leistungsfähigkeit zu verbessern. Die Ernennung von Leiters sorgte für etwas Entspannung, da sie die umstrittene Doppelrolle von Oliver Blume als Porsche-CEO beendete. Blume führt weiterhin den VW-Konzern. Leiters, zuvor Chef von McLaren Automotive, gilt als ausgewiesener Experte für Hybridfahrzeuge – auch aus seiner früheren Tätigkeit bei Porsche. Er muss zudem mit Arbeitnehmervertretern über weitere Sparmaßnahmen verhandeln.

Dauerhafte Fortschritte dürften allerdings Zeit benötigen. Porsche-Finanzvorstand Jochen Breckner hatte im vergangenen Oktober erklärt, dass 2025 zwar den Tiefpunkt markiere, das Unternehmen jedoch ab 2026 wieder zweistellige Margen anstrebe. (Autorin: Monica Raymunt)


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