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Juni-Unwetter: Versicherungskammer rechnet mit mehr als 30.000 Hagelschäden

Standen AUTOHAUS in Wolfratshausen Rede und Antwort (v.l.): und Christian Krams, Leiter Schaden im Konzern Versicherungskammer und BavariaDirekt-Vorstand, Nicole Mascher, Abteilungsleiterin Schadenmanagement und André Rauchalles, der ebenfalls der Abteilung Schadenmanagement, Netzwerke und Prozesse angehört.
© Foto: Presse + PR Pfauntsch

Nach dem legendären Münchner Hagel von 1984 und dem Pfingstmontagshagel 2019 könnten die aktuellen Hagel- und Überschwemmungsschäden der vorletzten Woche zum drittteuersten Kumulereignis in der Geschichte der Versicherungskammer werden.

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Das ist zumindest die Befürchtung von Christian Krams, Leiter Schaden im Konzern Versicherungskammer und Vorstand bei der BavariaDirekt. Vergangene Woche traf sich unsere Redaktion zusammen mit ihm und einigen seiner Mitarbeiter sowie mit mehreren beauftragten Dienstleistern in Wolfratshausen, einem der am schwersten von den jüngsten Unwettern betroffenen Gebiete bayernweit.

14 Tage lang Unwetterschäden "am laufenden Band"

Krams berichtete dabei auch von einer bisher atypischen "Laune" der Natur. So hielten sich die Unwetter "fast durchgängig 14 Tage, in denen wir praktisch jeden Tag regional irgendwo einen Hagel hatten". Insbesondere die vorletzte Woche bot ein Schauspiel der besonderen Art: So gab es am Montag, dem 21. Juni bereits sehr starken Hagelschlag mit einer Vielzahl von beschädigten Kraftfahrzeugen und Gebäuden, der sich dann tags darauf im gleichen Gebiet und auch weiteren Regionen nochmals mit vergleichbarer Intensität wiederholte. Schwer getroffen wurden auch Teile von Garmisch-Partenkirchen sowie Stadt und Umkreis von Ebersberg, ferner Starnberg, Ottobrunn und Putzbrunn.

"Selbst am darauffolgenden Mittwoch ging es teilweise noch weiter. Wir hatten praktisch keinen einzigen Tag, an dem keine neue Schäden gemeldet wurden", so der konzernweite Schadenleiter der Versicherungskammer, der bereits beim Pfingstmontagshagel 2019 ein früh und vielfach gesuchter Gesprächspartner der großen Rundfunk- und Fernsehanstalten war, die allesamt ihrer Hagel-Berichterstattung breiten Raum gegeben hatten.

Marktführer bekommt 20.000 Gebäudeschäden ab

Das Besondere bei der Versicherungskammer: Sie gehört nicht, wie beispielsweise HUK-Coburg oder die Allianz, zu den ganz großen Kraftfahrtversicherern, ist aber der mit Abstand größte Gebäudeversicherer. So gesehen reihen sich die "gut 10.000 Kfz-Schäden" zwar ordentlich mit in die Reihe der Assekuranzen ein, die ihr Hauptgeschäft mit Kraftfahrt haben. Aber die – derzeit – geschätzten gut 20.000 Gebäudeschäden und auch die rund 2.000 Ernteschäden dürften laut Christian Krams noch richtig ins Geld gehen. Die derzeit wohl massivsten Schäden gab es in der Stadt Landshut, durch die sich sprichwörtlich "aus heiterem Himmel" am frühen Dienstagabend, dem 22. Juni, eine wahre Sturzflut ergoß, die unzählige Keller und Tiefgaragen voll laufen ließ.

Jahrhundertflut in Landshut

Der Landshuter Oberbürgermeister Alexander Putz schilderte dem BR gegenüber dramatische Szenen: "Überall sind Wassermassen aus dem Wald gekommen, aus den Feldern, über Straßenzüge – wir haben Wildbäche gehabt, dort wo Straßen sind normalerweise. Schlammlawinen, Wasser in der Alt- und in der Neustadt, Straßenabspülungen." Für ihn wie auch den BR-Wetterexperten Michael Sachweh war klar: "Hier haben wir es mit einem Jahrhundertereignis zu tun, das die Stadt so noch nie erlebt hatte."

Das Gemisch aus Wasser, Geröll, Schlamm und sonstigen Gegenständen, die von den Fluten mitgerissen und in die Gebäude gelaufen sind, ist ein Problem, das auch Christian Krams Sorgen macht, schließlich wäre es nicht das erste Mal, dass dabei Häuser sogar irreparabel beschädigt wurden und in der Vergangenheit sogar abgerissen werden mussten.

1.000 Feuerwehr- und THW-Einsätze

In Landshut, wo u.a. mehrere Autos weggespült wurden und eine Person aus einem Fahrzeug gerettet werden musste, rückten die Feuerwehren der Stadt und umliegenden Regionen zu nahezu 1.000 Einsätzen aus. Unterstützung bekamen sie dabei auch durch das Technische Hilfswerk (THW). Im weiteren Niederbayern kam es zu teils schweren Straßenschäden, umgestürzten Bäumen und einer zeitweiligen Einstellung des Straßenverkehrs.

Das gesamte Ausmaß der Hagel-und Überschwemmungsschäden konnte Christian Krams von der Versicherungskammer vergangene Woche noch nicht abschätzen, da noch nicht alle betroffenen Versicherungsnehmer ihre Schäden gemeldet haben bzw. die gutachterliche Schadenaufnahme noch in vollem Gange ist.

Erneut ein "richtig teures Jahr" erwartet

Krams geht allerdings bereits jetzt davon aus, dass die Kammer mit einem "hohen zweistelligen, möglicherweise sogar einem dreistelligen Millionenbetrag" belastet sein wird. Das wäre dann das kostenseitig drittgrößte Schadenereignis in der Unternehmensgeschichte der Versicherungskammer.

Nicht ganz verwunderlich ist, dass auch die bisher noch teureren Ereignisse Hagel-Kumule waren: So 1984 der legendäre Münchner Hagel und 2019 der Pfingstmontagshagel, der hauptsächlich im Münchner Westen und den dort angrenzenden Landkreisen wütete und bei der Versicherungskammer mit Kosten von 160 Millionen Euro zu Buche schlug. Die reine Zahl der Schäden vom Juni 2019 war zwar für die Kammer mit seinerzeit gut 38.000 noch ein Stück höher, den Unterschied
machte aber die Stärke des Hagels: "2019 schleuderte es die großen Hagelbälle gegen die Fassaden, das hatten wir jetzt trotz der bis zu 6,5 Zentimeter großen und fast nur senkrecht auftreffenden Hagelkörner nicht in diesem Ausmaß bzw. der Intensität, weshalb der Schadendurchschnitt vermutlich etwas geringer ausfallen wird. Sorgen bereiten uns derzeit aber die noch nicht endgültig abzuschätzenden Kosten bei den voll gelaufenen Kellern und Tiefgaragen", so Christian Krams.

Anerkennung für das SV-Team von Max Bauer

Ausdrücklich lobte er auch die professionelle Zusammenarbeit mit dem großen Münchner Kfz-Sachverständigenbüro Max Bauer, das bayernweit alle Autohaus-Schäden und auch Endkunden für die Versicherungskammer begutachtet und bis dato nach Aussage von Geschäftsführerin Marion Bauer und des Chef-SV Ulf Althaus derzeit bereits rund 1.000 Schäden besichtigt hat. "Die Fahrzeuge mit zerschlagenen Windschutz- oder anderen Scheiben, deren Verkehrssicherheit beeinträchtigt war, hatten wir bewußt vorgezogen", so Krams. Alleine in Wolfratshausen liegt die Totalschadenquote bei geschätzt rund 20 bis 30 Prozent – nicht zuletzt auch deshalb, weil die Fahrzeuge in Wolfratshausen über zwei Tage hintereinander Schäden abbekamen.

Alle namhaften Glaser und Drücker im Einsatz

In die Schadenabwicklung sind seitens des Konzerns Versicherungskammer, wie deren oberster Schadenverantwortliche konstatiert, auch alle namhaften Autoglas-und Hagelschaden-Dienstleister mit involviert, allen voran das Hagelschaden-Zentrum Ulm, Dent Wizard und Douteil. Zur Vermarktung der Totalschäden setzt man indes auf das Unternehmen Copart, das in mehreren Testphasen der beiden vergangenen Jahre offensichtlich den Münchner Versicherungskonzern von ihrem Konzept überzeugen konnte.

Totalschaden-Abwicklung über Copart läuft rund

Krams dazu: "Der Kunde muss sich um nichts mehr kümmern und auch nicht selbst sein Fahrzeug in eine Restwertbörse einstellen. Copart kauft das Fahrzeug auf, wird rechtlich neuer Eigentümer und verkauft es dann über ihre eigene Auktionsplattform weiter. Entscheidend ist auch, dass der Kunde einen guten, meist sogar besseren Preis bekommt, als er ihn selbst erlösen könnte. Wo immer der Versicherungsnehmer es will, wird sein Fahrzeug abgeholt, automatisch und kostenfrei für ihn abgemeldet. Das ist ein wirklich bemerkenswert gut funktionierender Prozess, eine Win-Win-Win-Situation."

Alle Services in seinem Konzern wurden seit 2019 nochmals ausgebaut, schneller und digitaler geworden. Davon profitieren unsere Kunden jetzt. Gemeinsam mit unseren Dienstleistungspartnern können wir anbieten, das Fahrzeug abzuholen, zu begutachten, für die Zeit der Reparatur ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung zu stellen oder eben, falls er nicht reparieren lassen möchte, die rein fiktive Abrechnung oder den Kauf des Fahrzeugs durch Copart.

"Noch nicht das größte anzunehmende Ereignis"

Da "alle Prozesse laufen", ist Krams zuversichtlich, die Kfz- und auch die Gebäudeschäden in den kommenden Wochen und Monaten fallabschließend regulieren zu können. Um dieses Ziel zu erreichen, sollte aber ein weiterer Neuschaden-Zugang möglichst ausbleiben, hofft Christian Krams – wohl wissend, dass "wir mitten in der Saison, eher noch im ersten Drittel befindlich sind und der Hagel jederzeit im Juli und August noch weitergehen könnte".

Der großen Angst, die jedes Jahr alle Assekuranzen umtreibt, kann sich dabei auch die Versicherungskammer nicht entledigen: "Wenn ein schwerer Hagelschlag direkt in einer Stadt wie München, oder auch Nürnberg, Augsburg, Regensburg niedergeht, dann können die Schäden schnell und exponentiell ansteigen. Was wir aktuell erlebt haben, war noch lange nicht das größte anzunehmende Ereignis." (kaf)

Gutachter Markus Scheifl und seine Kollegen vom Münchner Kfz-SV-Büro Max Bauer besichtigten bisher bereits rund 1.000 Hagelschäden.
© Foto: Presse + PR Pfauntsch
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