Repanet Hauptversammlung 2026: Werkstattrealität statt Theorie

27.04.2026 08:34 Uhr | Lesezeit: 5 min
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Veranstalter und Teilnehmer der 12. Repanet Hauptversammlung. Erstmals fand parallel auch das Five Star Partnertreffen statt.
© Foto: Repanet

Das Werkstätten-Netzwerk Repanet traf sich kürzlich zu ihrer 12. Hauptversammlung und zum insgesamt fünften Mal auf Mallorca. Im Mittelpunkt standen Themen, die viele K&L-Betriebe derzeit unmittelbar beschäftigen: Instandsetzen vor Ersetzen, die Entwicklungen im Ersatzteilemarkt sowie Mitarbeitermotivation und Arbeitgeberattraktivität.

Wenn sich auf der Baleareninsel Mallorca rund 180 Werkstattunternehmeri, Partner und Branchenexperten aus dem Netzwerk begegnen, geht es längst nicht nur um ein kollegiales Wiedersehen, ist Axalta Netzwerke-Managerin Margarita Debos überzeugt: "Die Repanet Hauptversammlung ist vor allem der Moment, in dem sichtbar wird, was die Betriebe im Alltag wirklich bewegt und wie aus gemeinsamen Herausforderungen neue Lösungen entstehen können." Bei der diesjährigen Veranstaltung ging es deshalb um viel Praxisnähe und einen klaren Blick auf die Themen, die Karosserie- und Lackierbetriebe derzeit unter Druck setzen.

Engpass Ersatzteilemarkt

Besonderes Gewicht bekam die Situation im Ersatzteilemarkt. Ein Highlight der Hauptversammlung war die Expertenrunde mit Peter Börner von EUROGARANT und Steven Didssun, Präsident des Bundesverband Fahrzeuglackierer (BfL). Dabei wurde deutlich, wie stark Werkstätten aktuell unter Preissteigerungen, Lieferproblemen und hohem organisatorischem Aufwand leiden. Gerade die Ersatzteilbeschaffung binde vielerorts Zeit, Personal und Ressourcen.

ET-Marge durch zahlreiche Nebenkosten unter Druck

Hinzu komme, dass Betriebe in der Praxis häufig Vorgaben zur Teileverwendung umsetzen sollen, die sie gegenüber dem Kunden anschließend selbst rechtfertigen müssen. Diese Verlagerung von Verantwortung wurde von Peter Börner kritisch bewertet. Zugleich wurde deutlich, dass die tatsächliche Ersatzteilmarge durch zahlreiche Nebenkosten geschmälert wird, etwa für Handling, Lagerung, verlängerte Ersatzfahrzeugbereitstellung oder Provisionszahlungen. Daraus leitete sich der klare Appell ab, Instandsetzen stärker als wirtschaftlich tragfähige Alternative zu verstehen, sofern Werkzeugausstattung und Schulungsstand im Betrieb stimmen.

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Jeanette Ast-Leiner, neue Vertriebsleiterin Direktvertrieb Deutschland, nutzte die Möglichkeit, sich bei den Repanet-Mitgliedern als zukünftige Vorstandsvorsitzende des Repanet e.V. vorzustellen.
© Foto: Repanet

I statt E setzt sich immer mehr durch

Der Grundsatz "Instandsetzen vor Ersetzen" gehöre ohnehin zu den zentralen Leitgedanken des Repanet Netzwerks. Auf Mallorca wurde noch einmal deutlich, dass "I statt E" für viele Betriebe heute nicht nur eine technische, sondern vor allem eine wirtschaftliche und strategische Entscheidung ist. Wo fachgerechte Reparatur möglich ist, bleibt mehr Wertschöpfung im Betrieb. Außerdem wird mehr Originalsubstanz erhalten.

Impulse aus Technik und Praxis

Entsprechend groß war auch das Interesse an den beiden Workshops "Kunststoffschweißen Stoßfänger mit passenden Substraten von Ultraschallweißen PDC Halter" der Firma Palbeck und "Neue AZT/BfL Merkblätter zu Lackschichtdicke und fachgerechter Instandsetzung" von Yilmaz Kuddisi vom Allianz Zentrum für Technik (AZT) und Torsten Schmidt vom BfL.

Ergänzt wurde das Programm durch die Aussteller Audatex, DAT, GYS, Innovation Part, PDR.Cloud, Telwin, Palbeck und SATA. Sie brachten Themen von Kalkulation, Daten und Prozesssteuerung über Instandsetzungs- und Schweißtechnik bis hin zu Werkzeugen, Kunststoffreparatur und Lackierausstattung in die Hauptversammlung ein.

Gute Leute halten, statt nur neue zu suchen

Auch das Thema Mitarbeitermotivation und Arbeitgeberattraktivität wurde auf Mallorca intensiv diskutiert. Eine der zentralen Botschaften lautete: Fachkräftemangel lässt sich nicht allein über Recruiting lösen, sondern muss im Alltag der Betriebe angegangen werden – mit guter Führung, klaren Abläufen, Entwicklungsmöglichkeiten und einem Arbeitsumfeld, das Mitarbeitende ernst nimmt. Passend dazu gab es den Workshop "Mitarbeiterbefragung als Instrument" mit Michele Gurgoglione von openmindconsulting.

Einen besonderen Impuls setzte Aaron Kukic. Der Karosseriebauer aus Munderkingen und Mister Handwerk 2022 zeigte, wie relevant Social Media inzwischen auch für Werkstätten geworden ist. Sein Ansatz ist bewusst einfach: kurze, ungeschnittene Clips aus dem Werkstattalltag mit Fokus auf Instandsetzung. Diese authentische Art der zahlt sich aus: Mit über 370.000 Followern auf Instagram und zahlreichen Bewerbungen zeigt Kukic, dass es nicht viel Inszenierung braucht, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und Nachwuchs für die Branche zu begeistern. Auch die Haupttagung auf Mallorca begleitete er über seinen Instagram-Account mit Videos, die teils mehr als 100.000 Views erreichten.

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Zufrieden mit Verlauf und Ergebnissen der 12. Repanet-Hauptversammlung: Margarita Debos, Netzwerke-Managerin von Axalta.
© Foto: Repanet

Fazit der Netzwerke-Managerin

Für die Mitgliedsbetriebe war Mallorca aus Sicht von Margarita Debos "weit mehr als ein jährliches Treffen". Gerade in einer Zeit, in der sich Marktbedingungen, Anforderungen und Erwartungen an Werkstätten spürbar verändern, habe die Veranstaltung einmal mehr gezeigt, wie wichtig der Austausch innerhalb der Branche ist. Zugleich wurde deutlich, welchen Anspruch das Netzwerk verfolgt: "Repanet steht für konkrete Unterstützung im Betriebsalltag. Mit unseren Leistungen, Beratungen und Veranstaltungen verändern wir nicht die Theorie der Branche, sondern die Werkstattrealität", so Debos.

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