Status quo und Ausblick: Gebrauchte Teile im Kfz-Schadenmanagement

22.04.2026 20:12 Uhr | Lesezeit: 4 min
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Diskutierten über Für und Wider der Unfallinstandsetzung mit Gebrauchtteilen (v.l.): Christian Kleefisch, Chefsachverständiger AXA Konzern AG, Thomas Behl, Leiter Reparaturtechnik AZT Automotive GmbH und Michael Pinto, Geschäftsführer Bundesverband der Partnerwerkstätten e.V. 
© Foto: Versicherungsforen Leipzig

Im Panel zu Status quo und Ausblick gebrauchter Teile im Kfz-Schadenmanagement diskutierten AXA-Chef-SV Christian Kleefisch (AXA), Thomas Behl (AZT) und Michael Pinto (BVdP) unter Moderation von Franz Gündel (Versicherungsforen Leipzig). Basis war die Empfehlung des 64. Deutschen Verkehrsgerichtstages, Gebrauchtteile zur Kostensenkung und Ressourcenschonung als Reparaturstandard zu etablieren (wir berichteten).

Gündel startete denn auch mit den VGT-Empfehlungen aus Goslar von Januar 2026. Demnach sollen Gebrauchtteile als "normaler Bestandteil der Unfallreparatur" etabliert werden, um Kosten zu senken und Ressourcen zu schonen – bei gleichzeitiger Sicherstellung von Qualität und Sicherheit.

Teilebedarf höher als GT-Bestand

Der erste Experte, der zum Thema Stellung bezog, war Thomas Behl. Er betonte: "Es muss klare Kriterien zu den verwendeten Teilen geben. Auch die Kostenstruktur muss klar sein." Die Entscheidung des Verkehrsgerichtstages sei richtig. Aber sie werde nicht das "Allheilmittel" sein, denn gebrauchte Teile "können nicht den kompletten Bedarf abdecken. Zudem dürfen sicherheitsrelevante Teile nicht durch Gebrauchtteile abgedeckt werden".

"Deutscher Markt deutlich im Rückstand"

Christian Kleefisch gab einen Überblick über die Landesgrenzen hinaus. Dieser zeigte, dass Deutschland bei der Nutzung von Gebrauchtteilen im Reparaturmarkt im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn deutlich im Rückstand ist. Als Pioniere gelten hier laut Kleefisch vor allem die skandinavischen Länder, in denen der Einsatz gebrauchter Komponenten bereits seit Jahrzehnten zum Standard gehört.

"Wo man wählen kann, wird man das auch tun"

Auch in anderen Nationen habe sich das Modell etabliert: In Großbritannien stieg der Anteil an Gebrauchtteilen insbesondere im Zuge des Brexits deutlich an. "Die Niederlande sichern die Akzeptanz durch strenge Klassifizierungsregeln ab, während Frankreich sogar den radikalsten Weg gewählt hat: Dort ist das Angebot von Gebrauchtteilen – mit Ausnahme von Verschleißteilen – gesetzlich vorgeschrieben", so der AXA-Chefsachverständige. Internationale Langzeitstudien würden "durchweg positive Erfahrungen" mit diesen Ansätzen belegen. Trotz der technologischen und regulatorischen Fortschritte bleibe jedoch der individuelle Faktor entscheidend: "Solange der Mensch noch das Wahlrecht hat, wird er dieses auch nutzen", ist Kleefosch überzeugt.

Nur 4,6 Prozent arbeiten regelmäßig mit Gebrauchtteilen

Michael Pinto komplettierte die Diskussion um die Perspektive der Werkstätten und Endkunden: Eine aktuelle Abfrage bei Werkstätten zeige: 26 Prozent der Befragten Betriebe haben noch keine Erfahrung mit Gebrauchtteilen, 70 Prozent haben vereinzelt Gebrauchtteile genutzt, 4,6 Prozent tun dies regelmäßig. Als problematisch wird aktuell noch der Aufwand bewertet, qualitativ passende Gebrauchtteile zu beziehen.

Bauteilpass als Herkunftsnachweis

Abschließend betonte Pinto, dass das Thema auf der Kundenseite aktuell noch nicht ausreichend platziert wird: "Wo ist die aufklärende Diskussion bei den Autofahrenden? Die fehlt gänzlich", so Pinto. Es brauche außerdem Maßnahmen, um das Vertrauen der Kunden in Gebrauchtteile zu heben. Hier brachte der BVdP-Manager als Beispiel die Idee eines Bauteilepasses ins Spiel, anhand dessen der Kunde nachvollziehen kann, wo das Gebrauchtteil seinen Ursprung hat.

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