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Verkehrsgeschehen: Mobilität im Juli und August 2021 sogar höher als vor Corona

13.09.2021 04:59 Uhr | Lesezeit: 6 min
Verkehrsgeschehen: Mobilität im Juli und August 2021 sogar höher als vor Corona
Das Mobilitätsgeschehen bewegte sich zuletzt nicht nur wieder auf dem Niveau der Vor-Corona-Zeit, sondern übertraf im Sommer sogar die Vergleichswerte aus 2019.
© Foto: Walter K. Pfauntsch

Erstmals seit Pandemie-Beginn hat das Statistische Bundesamt Wiesbaden wieder ein höheres Verkehrsgeschehen auf deutschen Straßen registriert – und auch länger zurückgelegte Strecken. Dabei wurden sogar Werte übertroffen, die vor Corona üblich waren.

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Im Juli und August 2021 waren die Menschen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt (Destatis) mehr unterwegs als vor der Corona-Pandemie. Die Mobilität lag durchschnittlich 4 % über dem Niveau der entsprechenden Vorkrisenmonate des Jahres 2019.

Auch bei Bewegungen über längere Distanzen war in den Sommermonaten eine Trendwende zu beobachten: Erstmals seit Beginn der Pandemie wurden wieder mehr Distanzen von 30 Kilometern und mehr als in den Referenzmonaten des Jahres 2019 (+1 %) zurückgelegt. Dies geht aus einer Sonderauswertung experimenteller Daten hervor, mit denen das Destatis aktuelle Mobilitätsveränderungen in der Corona-Pandemie abbildet.

Seit Pandemie-Beginn war die Mobilität stets auf längeren Distanzen am stärksten zurückgegangen. Besonders deutlich waren die Unterschiede im Frühjahr 2020: Im April 2020 fanden nur noch knapp halb so viele (-53 %) Bewegungen von 30 und mehr Kilometern statt wie im April 2019, während der Rückgang bei Bewegungen von 5 bis unter 30 Kilometern ein Drittel (-33 %) und bei kürzeren Distanzen unter 5 Kilometern nur ein Siebtel (-14 %) betrug. Diese Unterschiede setzten sich im weiteren Jahresverlauf fort und blieben auch bei einem insgesamt höheren Mobilitätsniveau im Sommer 2020 bestehen.

Mobilität gewann im Sommer 2021 an "Strecke"

Ab dem Frühjahr 2021 fanden dann – im Vergleich zu den kurzen Distanzen – wieder mehr Bewegungen zwischen 5 und 30 Kilometern statt, sodass der Mobilitätsrückgang gegenüber 2019 in dieser Kategorie im März 2021 mit -3 % erstmals geringer ausfiel als bei den Bewegungen unter 5 Kilometern (-5 %). Im Juli und August 2021 waren dann auch längere Distanzen von 30 Kilometern und mehr wieder häufiger und überstiegen das Vorkrisenniveau im August sogar leicht (+1 %). Noch deutlicher als Bewegungen von 30 und mehr Kilometern nahm die Zahl der Bewegungen mit einer Distanz von 5 bis unter 30 Kilometern zu (+10 % gegenüber 2019). Kürzere Distanzen von unter 5 Kilometern, die im bisherigen Krisenverlauf am wenigsten von Mobilitätsrückgängen betroffen waren, lagen dagegen unter dem Vorkrisenniveau (-3 %).

Damit lag die Mobilität im Sommer 2021 insgesamt auf ähnlichem Niveau wie im Sommer 2020, allerdings mit einer gegenläufigen Dynamik bei den Distanzen: Im August 2020 war die Mobilität über längere Distanzen (30 Kilometer und mehr) noch 5 % geringer als 2019, lediglich Bewegungen zwischen 5 und 30 Kilometern (+4 %) sowie unter 5 Kilometern (+8 %) hatten über dem Vorkrisenniveau gelegen.

Wochenend-Fahrten meist über 30 Km

Die Distanz von Bewegungen kann laut Destatis ein Indikator für verschiedene Formen von Mobilität sein. So ist beispielweise der Anteil an Bewegungen mit einer Distanz von 5 bis unter 30 Kilometern an Wochenenden, wenn weniger berufs- und bildungsbedingte Mobilität stattfindet, geringer als unter der Woche. Sonntags ist der Anteil von Distanzen von 30 Kilometern und mehr an der Gesamtmobilität des jeweiligen Tages mit 8 % im Vergleich mit anderen Wochentagen am größten. Im gesamten August 2021 hatten 48 % der Bewegungen eine Länge von 5 bis unter 30 Kilometern. Bewegungen unter 5 Kilometer, zu denen Spaziergänge und Einkäufe in der Umgebung zählen, machten 44 % der Gesamtmobilität aus. Distanzen von 30 Kilometern und mehr waren mit 8 % vergleichsweise selten.

Zur Methodik der Analysen

Bewegungen werden auf Basis von anonymisierten und aggregierten Mobilfunkdaten aus Positionsänderungen identifiziert, wenn die Aufenthalte an Start- und Zielort mindestens 30 Minuten betragen.

Bei der Berechnung der Referenzwerte aus 2019 wird vom Statistischen Bundesamt eine Anpassung für gesetzliche Feiertage durchgeführt, um Verzerrungen durch die an Feiertagen üblicherweise niedrigere Mobilität zu verhindern. Veränderungsraten für alle Tage, die nicht gesetzliche Feiertage sind, werden im Vergleich zum Durchschnitt des jeweiligen Wochentages des jeweiligen Monats im Jahr 2019 berechnet. Dabei werden Feiertage aus der Berechnung des Wochentagdurchschnitts ausgenommen. Veränderungsraten für Feiertage hingegen werden im Vergleich mit dem entsprechenden Feiertag des Jahres 2019, wie beispielweise Fronleichnam, berechnet.

Auswertung mit neuen digitalen Datenquellen

Mit dieser Sonderauswertung anonymisierter und aggregierter Mobilfunkdaten erschließt das Statistische Bundesamt neue digitale Datenquellen. In der Corona-Pandemie können Mobilfunkdaten einen Hinweis darauf geben, wie stark sich das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 verändert hat. Dahinter steht die Annahme, dass mit einer Verringerung der Mobilität auch die Zahl sozialer Interaktionen und somit die Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus zurückgehen. Das Statistische Bundesamt verfolgt damit das Ziel, das Mobilitätsgeschehen in Deutschland möglichst aktuell abzubilden und damit eine aktuelle Einschätzung der Situation in der Corona-Pandemie zu ermöglichen.

Die Ergebnisse basieren auf Daten, die das Statistische Bundesamt insbesondere hinsichtlich ihres Nutzens für die kleinräumige und aktuelle Abbildung der Bevölkerung und ihrer Mobilität untersucht. Weitere Informationen hierzu sowie Analysen zur Mobilität auf der Kreisebene bietet der Bereich "EXDAT – Experimentelle Daten" (www.destatis.de/exdat) auf der Website des Statistischen Bundesamtes. Das Angebot wird täglich aktualisiert und schrittweise erweitert.

Im Reifegrad und in der Qualität unterscheiden sich diese experimentellen Daten und Auswertungen von amtlichen Statistiken, insbesondere in Bezug auf Harmonisierung, Erfassungsbereich und Methodik. (fi)

© Foto: DeStatis
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