Aftersales im Wandel: Management‑Runde diskutiert Herausforderungen

17.04.2026 13:45 Uhr | Lesezeit: 5 min
Seit 15 Jahren feste Größe im Kalender: Der AUTOHAUS‑Servicegipfel brachte erneut Entscheider zum praxisnahen Dialog zusammen.
© Foto: Alexander Junk/asp

Von digitaler Prozessintegration bis Hochvolt‑Reparatur: Der AUTOHAUS Servicegipfel powered by Würth zeigte, welche Werkstatt- und Servicethemen die Branche aktuell bewegen.

Der AUTOHAUS Servicegipfel powered by Würth hat zum wiederholten Mal die Aftersales-Verantwortlichen der Automobilindustrie in Hohenlohe zusammengebracht. Die Veranstaltung findet seit 15 Jahren zweimal jährlich im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe statt und gilt als fester Branchentreffpunkt für Service- und Werkstattthemen. AUTOHAUS und Würth laden Hersteller und Importeure gezielt zum fachlichen Austausch über aktuelle Entwicklungen im Aftersales ein. Jörg Weichsel, Leiter Key Account Management Auto bei der Adolf Würth GmbH, und Ralph M. Meunzel, Chefredakteur der Fachzeitschrift AUTOHAUS, führten durch die Veranstaltung.

C-Teile ins DMS einbinden

Inhaltlich standen am Donnerstag praxisnahe Fragestellungen im Fokus – von der Zukunft markengebundener Servicestandorte über neue Betreuungskonzepte bis hin zu Datenmanagement, KI-Einsatz und Herausforderungen bei der Reparatur von Hochvolt-Batterien. Ein Kernthema aus dem Hause Würth war dabei die digitale Integration sogenannter C-Teile direkt ins Dealer-Management-System (DMS). Elias Bertran und Kai Dickschus, beide Business Development Manager im Bereich E-Procurement bei Würth, zeigten auf, wie bekannte Serviceprozesse durch neue Schnittstellen konsequent ins DMS eingebunden werden können.

Ziel ist es, das DMS als zentrale, zertifizierte Prozessplattform zu stärken und bestehende Abläufe im Service nicht zu ersetzen, sondern systemisch zu integrieren. Bestellungen, Bestandsinformationen, Lieferscheine und Rechnungen werden digital ausgetauscht und medienbruchfrei verarbeitet – vom Kontaktpunkt über Außendienst oder Niederlassung bis hin zu SAP und Logistik. Damit soll die Integration die Produktivität im Autohaus steigern, da Prozesse durchgängig digital laufen, manuelle Eingriffe reduziert werden und Kontierung sowie Buchung automatisiert erfolgen.

Elektromobilität sorgt für weniger Umsatz

Der markengebundene Service und seine Herausforderungen waren das Thema von Skoda-Aftersales-Chef Hilmar Niebel. In seinem Vortrag ging er darauf ein, wie sich markengebundene Werkstätten zukünftig aufstellen können, wenn der E-Auto-Bereich immer mehr zunimmt. Denn durch die Stromer seien im Teilebereich hohe Einbußen zu erwarten. Wichtig sei das Thema Teilegarantie, um Kunden an sich zu binden und die Loyalität an die Markenwerkstätten zu stärken. Auch das Thema KI wird immer wichtiger, besonders um die Performance der Skoda-Partnerbetriebe zu optimieren. Niebel kritisierte auch, dass die Vorzüge der Connected Cars bei gebrauchten Autos so gut wie nicht genutzt werden. Dies sei für die Loyalisierung der Kunden jedoch entscheidend.


AUTOHAUS Servicegipfel powered by Würth (April 2026)

AUTOHAUS Servicegipfel powered by Würth (April 2026) Bildergalerie

Der Fachkräftemangel war ebenfalls ein Thema: Pascal Mertens, Aftersales-Chef von Stellantis, und Mathias Löffel, Serviceleiter Marketing bei Stellantis, präsentierten die neue Job-Plattform „MeinAutohausJob.de“, um dem Fachkräftemangel in Autohäusern zu begegnen. Im Gegensatz zu etablierten Job-Plattformen ist das Stellantis-Portal auf die Bedürfnisse der Kfz-Betriebe ausgelegt und das Erstellen einer Jobanzeige in wenigen Schritten möglich. Bewerber können sich den Wunschjob ganz einfach anhand von Jobkategorien heraussuchen und Details zum Inserat anschauen. Löffel verglich das mit dem Einkaufen bei Zalando, nur dass Bewerber sich auf Jobs in der Kfz-Branche bewerben und nicht einkaufen. Eine große Bedeutung bei MeinAutohausJob.de soll dabei der Messenger-Dienst WhatsApp zur ersten Kontaktaufnahme und zum Bewerbungsprozess haben, der von vielen jungen Leuten dafür genutzt wird. Aktuell sind bereits über 400 Anzeigen der elf Stellantis-Marken im Portal zu finden.

Batteriereparatur als Zukunftsmodell?

Raik Rudat, Aftersales Director von MG Motor, erklärte den Teilnehmern, warum die Batteriereparatur auf Zellebene bei neueren E-Fahrzeugen große Herausforderungen birgt. Denn der Trend bei den Batteriespeichern geht dahin, dass die Zellen aufgrund des Thermomanagements so verklebt oder in Harz eingebettet werden, dass ein Austausch nahezu unmöglich ist. Das bestätigten auch andere Hersteller in der Runde. Manche Hersteller würden eine Batteriereparatur auch gar nicht vorsehen. Die Folge: Anstatt zu reparieren, würden Batterien entsorgt und recycelt, was unter Umwelt- und Ressourcen-Aspekten nicht wünschenswert sei.

Auch in der Praxis zeige sich: Wenn eine Werkstatt Batteriereparaturen durchführe, beschränke sich das auf das Öffnen des Batteriedeckels oder allenfalls den Tausch von Modulen. Denn viele Betriebe hätten auch nicht genügend Mechaniker mit einer Ausbildung der Hochvoltstufe 3S, um Arbeiten durchzuführen. Auch die Dichtheit des Batteriegehäuses nach der Reparatur sei ein Thema und es fehle vielen Werkstätten am Know-how, um die Batteriegehäuse fachmännisch zu öffnen.

Datenmanagement – das A und O

Wie sich Daten mithilfe von KI sortieren und bereinigen lassen, präsentierte Philipp Posselt vom Softwareunternehmen Veact. Ausgangspunkt für eine gut funktionierende KI sei laut Posselt immer die Qualität der Daten, die aufgrund mangelnder Zeit bei der Erfassung und der unterschiedlichen Systeme in Autohäusern nicht immer die beste sei. Daten seien oft falsch oder lückenhaft. Datenmanagement sei deshalb das A und O. Veact versucht, diesem Problem mit einem zentralen Datenmanagement („Datahub“) zu begegnen, das für Autohäuser als White-Label-Lösung erhältlich ist und die Funktion der KI deutlich verbessern soll. Der KI-Bot „Valerie“ kann Mitarbeiter im Autohaus beispielsweise beim Verkauf unterstützen und automatisch passende Angebote erstellen und verschicken, ohne dass jemand aktiv werden muss.

Herausforderungen der Reifenhersteller

Am Ende des Servicegipfels kamen traditionsgemäß die Reifenhersteller und -händler zu Wort. Arno Bach, einer der beiden Geschäftsführer des Reifenhändlers RR Team, sprach einleitend ein paar Worte und strich die Bedeutung des Reifens für das Aftersales-Geschäft im Elektroauto-Zeitalter heraus. Gleich im Anschluss erklärte Marcel Majert, Sales Director Car Dealer Europe bei Dunlop Tyre Europe, warum der Reifenhersteller weltweit seit Januar 2026 im Tier-1-Segment auf die Marke Dunlop setzt und die Marke Falken als Tier-2-Marke einsortiert hat. Hintergrund sei hierbei, dass die japanische Muttergesellschaft Sumitomo Rubber Industries die Namensrechte an Dunlop (ehemals bei Goodyear) wiedererlangt habe und die einstige Strahlkraft der Marke ungebrochen sei. Falken soll jedoch bestehen bleiben, sowohl als etablierte OE-Marke als auch im Motorsport.

Abschließend erklärte Nico Jorda, Global KAM Automotive beim finnischen Reifenproduzenten Nokian Tyres, den schwierigen Neustart des Unternehmens nach dem Wegfall des Russland-Geschäfts. Der Hersteller musste mit Beginn des Ukraine-Krieges seine Aktivitäten in Russland einstellen. Das betraf auch das dortige Reifenwerk in Sankt Petersburg, das für rund 75 Prozent der Produktionskapazität weltweit verantwortlich war. Nur aufgrund einer guten Eigenkapitalquote, dem rekordverdächtig schnellen Bau eines neuen Werks in Oradea (Rumänien) und der Optimierung der Produktion in bestehenden Werken sowie bei Auftragsfertigern konnte Nokian erhalten bleiben und zu alter Stärke zurückfinden. Nach einer Durststrecke befinde man sich nun wieder in der Wachstumsphase.


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