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Goodyear-Umbau: Zwei deutsche Werke vor dem Aus

Flaggen mit dem Aufdruck Goodyear wehen vor dem Werkstor 1 des Fürstenwalder Standorts des Reifenproduzenten.
Goodyear-Flaggen am Fürstenwalder Werk des Reifenproduzenten
© Foto: picture alliance/dpa | Soeren Stache

Mit Spartenverkäufen, Kostensenkungen und einem Schuldenabbau will der US-Reifenhersteller Goodyear das Ruder herumreißen. Das hat negative Folgen für die Produktion in Deutschland.


Datum:
23.11.2023
Autor:
dpa/dpa-AFX/rp
Lesezeit:
4 min
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Der schwächelnde Reifenhersteller Goodyear plant, zwei seiner Werke in Deutschland zu schließen. Zur Disposition stehen nach Unternehmensangaben die Fabriken in Fürstenwalde (Brandenburg) und Fulda (Hessen). Damit verbunden ist ein Verlust von insgesamt 1.800 Arbeitsplätzen. "Dies ist eine schwierige, aber notwendige Entscheidung, um Überkapazitäten zu reduzieren und unsere Produktionsstruktur mit der Nachfrage in Einklang zu bringen", teilte das Unternehmen am Deutschland-Sitz in Hanau mit.

Die Marktaussichten in allen Bereich der Reifenindustrie hätten sich in den vergangenen Monaten "deutlich und rapide" verschlechtert, erklärte ein Goodyear-Sprecher. "Diese Situation hat sich durch den Zuwachs von Billigimporten aus Asien weiter verschärft, die eine erhebliche Belastung für die europäischen Hersteller darstellen." Darüber hinaus habe der anhaltende Inflationsdruck die Herausforderungen für die Wettbewerbsfähigkeit verschärft. 

Der US-Mutterkonzern hatte in der vergangenen Woche Pläne für eine umfassende Rosskur mit Spartenverkäufen, Kostensenkungen und einem Schuldenabbau vorgestellt. Dadurch soll das Geschäft auf mehr Rendite getrimmt werden. Verkäufe von Unternehmensteilen sollen mehr als zwei Milliarden US-Dollar einspielen und damit die Schuldenlast bis Ende 2025 spürbar senken. Zu den abzugebenden Teilen gehört das Chemiegeschäft, aber auch die Reifenmarke Dunlop sowie das Geschäft mit Off-Road-Spezialreifen.

In Fürstenwalde soll die Reifenproduktion schrittweise bis 2027 eingestellt werden. Davon betroffen sind voraussichtlich 750 Beschäftigte. Der sogenannte Mischbetrieb soll aber erhalten bleiben. Dort stellen etwa 180 Mitarbeiter Gummimischungen her. In Fulda soll das Werk bis Ende September 2025 geschlossen werden. Das würde die Streichung von 1.050 Goodyear-Jobs bedeuten.

Für den gesamten Umbau veranschlagt das Management Kosten von 1,1 Milliarden Dollar. Die Nettoschulden sollen durch das Vorhaben binnen zwei Jahren um rund 1,5 Milliarden Dollar zurückgehen, hieß es weiter. Zugleich will Goodyear die jährlichen Kosten bis Ende 2025 um eine Milliarde Dollar kürzen. Dadurch soll sich die operative Marge bis zum Schlussquartal 2025 auf zehn Prozent verdoppeln. Zum Vergleich: Der deutsche Rivale Conti erwirtschaftet mit seiner Reifensparte operative Margen von etwa 13 Prozent.

Auf Chef-Suche

Goodyear muss sich für die Umsetzung der Pläne einen neuen Chef suchen. Der bisherige Amtsinhaber Richard J. Kramer sprach von einem klaren Pfad zu einem profitableren und stärker fokussierten Unternehmen. 2024 wird der seit 14 Jahren an der Unternehmensspitze amtierende Manager sich zurückziehen. Der Verwaltungsrat lässt jetzt intern und extern nach einem Kandidaten oder einer Kandidatin suchen.

Im zurückliegenden dritten Quartal sank der Umsatz des Konzerns um gut drei Prozent auf 5,1 Milliarden US-Dollar. Zudem wirtschaftete Goodyear im Tagesgeschäft weniger profitabel. Unter dem Strich fuhr das Unternehmen einen Verlust in Höhe von 89 Millionen Dollar ein, nach einem Gewinn von 44 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Die roten Zahlen lagen vor allem an den Kosten für ein Umbauprogramm in Europa, Australien und Neuseeland.

Goodyear zählt zu den größten Reifenproduzenten der Welt. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt rund 74.000 Mitarbeiter und stellt seine Produkte in 57 Werken in 23 Ländern her. In Deutschland zählt Goodyear rund 5.000 Mitarbeitende.

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