Zwei Veranstaltungen, ein Schauplatz und dazwischen eine Diskussionsrunde, die ziemlich genau den Kern des aktuellen Autohandels traf. Bei den "VAD Open" und dem anschließenden BFC-Abend am Donnerstag ging es auch um die operative Realität im Markt. Im Mittelpunkt der "VAD Open" als einer Veranstaltungsreihe des Verbands Deutscher Autohändler zusammen mit der AUTOHAUS akademie stand die Gesprächsrunde mit der Geschäftsleitung der Thüringer Autohaus Peter-Gruppe, Nordhausen, Christina Dost sowie Helmut und Andreas Peter moderiert von AUTOHAUS-Chefredakteur Ralph M. Meunzel. Sie war praktisch die Bestandsaufnahme einer Branche im Umbau. Die Konstellation selbst war dabei schon aussagekräftig: zwei Generationen Unternehmer plus eine Geschäftsführerin, die in der Organisation zwischen Struktur, Digitalisierung und Integration vermittelt.
Genau aus dieser Perspektive wurde diskutiert: weniger theoretisch, sondern entlang konkreter Entscheidungen aus dem Tagesgeschäft. Helmut Peter machte deutlich, wie stark Wachstum im Handel heute von externen Faktoren getrieben wird. Übernahmen entstehen selten aus langfristigen Masterplänen, sondern weil sich Gelegenheiten ergeben: Betriebe ohne Nachfolge, Hersteller, die leistungsfähige Partner suchen, Regionen, die ohne größere Gruppen ausdünnen würden. Entscheidend sei dann die Fähigkeit, schnell zu entscheiden und Verantwortung zu übernehmen.
Andreas Peter beschrieb die operative Seite dieses Wachstums. Markenvielfalt, unterschiedliche Systeme und heterogene Standorte müssten täglich zusammengeführt werden. Der Schlüssel liege weniger in Strategiepapieren als in funktionierenden Prozessen und klaren Zuständigkeiten. Vertrieb, Service, Marken und Mitarbeiter müssten im Alltag zusammenpassen, sonst werde Größe schnell zum Problem statt zur Stärke. Christina Dost setzte einen ergänzenden Schwerpunkt. Ihr Blick richtete sich auf die Organisation hinter dem Wachstum: Zentralisierung von Einkauf und Disposition, Harmonisierung von Prozessen, Digitalisierung der Abläufe. Gerade bei der Integration neuer Betriebe sei das entscheidend, um aus Expansion tatsächlich Effizienz zu machen.
VAD Open und BFC-Abend 2026 in Northeim
Was diese Runde interessant machte, war nicht die einzelne Aussage, sondern das Zusammenspiel: unternehmerische Intuition auf der einen Seite, strukturierte Prozessarbeit auf der anderen. Der Handel bewegt sich heute genau in diesem Spannungsfeld.
Die Zahlen der Peter Gruppe liefern dazu den passenden Rahmen. Das Unternehmen verfügt über mehr als 30 Standorte in rund 20 Städten, arbeitet mit über einem Dutzend Marken und beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter. Anfang 2024 erfolgte eine Umfirmierung von vier Gesellschaften nach Herstellerzuordnung. Gleichzeitig wurde die Expansion zuletzt deutlich beschleunigt, unter anderem durch neue Betriebe und zusätzliche Stellantis-Standorte. Diese Entwicklung ist kein Einzelfall. Sie steht für eine Verschiebung im Markt, denn Konsolidierung, regionale Verdichtung und steigende Komplexität gehören inzwischen zum Alltag vieler Händlergruppen und daran wird sich erst mal nichts ändern.
Ergänzt wurde diese Perspektive durch die Partner der Veranstaltung. Carmovia adressiert das Thema Fahrzeuglogistik und bietet Transportlösungen in 22 europäischen Ländern in Verbindung mit einem eigenen Transportmanagementsystem, das Abläufe strukturieren und planbarer machen soll. CarGarantie wiederum steht für das Thema Absicherung im Verkauf und im Bestandsgeschäft. Das Unternehmen positioniert sich als führender europäischer Anbieter für Fahrzeuggarantien und deckt ein breites Spektrum von Neu- bis Gebrauchtwagengarantien ab.
Konrad Weßner von puls Marktforschung stellte die VAD-Studie vor, die in Kooperation mit Bank11 und AUTOHAUS entstand. Sie ergänzte die praktischen Erfahrungen mit einem analytischen Rahmen. Der Befund ist eindeutig: Kunden informieren sich digital, suchen aber weiterhin die Entscheidung im Autohaus. Rund 90 Prozent kombinieren Online-Recherche mit Beratung, Probefahrt und Abschluss vor Ort. Das stärkt die Position des Handels. Gleichzeitig steigen aber die Anforderungen. Vertrauen, Kostenklarheit und Orientierung werden zur eigentlichen Leistung, nicht mehr nur zum Zusatz.
BFC-Abend mit 140 Gästen
Am Abend verschob sich der Blick von der Marktbetrachtung zur personellen Basis. Beim BFC-Abend ging es um die nächste Generation im Handel und der Ton wurde teilweise auch nachdenklicher. Rund 140 Teilnehmer fanden sich trotz hoher Temperaturen auf dem Campus ein. Schulleiterin Sylvia Gerl und BFC-Vorsitzender Helmut Peter sprachen offen darüber, dass die Zahl der Talente zurückgehe, während die Ansprüche unverändert hoch blieben. Die Qualität werde bewusst gehalten. „Wir brauchen Motoren und keine Bremsen“, sagte Gerl.
Damit schließt sich der Kreis des Tages. Die VAD Open zeigt, dass der Handel auch unter komplexen Bedingungen operativ leistungsfähig. Der BFC-Abend macht deutlich, dass diese Leistungsfähigkeit keine Selbstverständlichkeit ist. Eine zentrale Frage lautet deshalb nicht mehr, ob das Geschäftsmodell Autohaus funktioniert. Sondern wer es in Zukunft im Hinblick auf den Fachkräftemangel trägt.