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Stellantis-Netzkündigung: "Ein großer Teil wird auch in Zukunft einen Vertrag bekommen"

Amaury de Bourmont ist seit März für das Deutschland-Geschäft von Stellantis verantwortlich. Zuvor war de Bourmont bereits Chef von PSA Deutschland.
© Foto: PSA

Stellantis-Deutschland-Chef Amaury de Bourmont spricht erstmals öffentlich darüber, was hinter der Netzkündigung des Herstellers steckt und was der Handel nun zu erwarten hat.


Datum:
31.05.2021
Autor:
Ralph M. Meunzel
Lesezeit: 
4 min
6 Kommentare

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Der kürzlich verkündete Plan des neu geformten Autoriesen-Stellantis, sämtliche Händlerverträge zu kündigen, hat den Handel so kurz nach der Fusion von FCA und PSA im Januar kalt erwischt und vielerorts für Unmut und Verunsicherung gesorgt. In Deutschland fiel Amaury de Bourmont als frisch gekürtem Deutschland-Chef von Stellantis die undankbare Aufgabe zu, den Händlern die Botschaft zu überbringen. AUTOHAUS-Chefredakteur Ralph M. Meunzel hat mit ihm erstmals über die Hintergründe gesprochen.

AH: Sie werden alle Händlerverträge in Europa zum 1. Juni 2021 ordentlich kündigen, um die Netze neu zu sortieren und ein einheitliches Vertragswerk zu installieren. Die Reaktionen der Vertriebspartner sind unterschiedlich ausgefallen. Warum jetzt in dieser angespannten Marktphase?

Amaury de Bourmont: Es ist ja offensichtlich, welche Veränderungen, vor allem aus regulatorischer und ökologischer Sicht, auf die Branche zukommen. Dazu kommen neue Vertriebskanäle wie der Online-Handel und ein verändertes Kaufverhalten der Kunden. Und auch die für 2023 vorgesehene EU-Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) wird voraussichtlich zu weiteren Anpassungen der aktuellen Vertriebsverträge und -standards führen. In diesem Zusammenhang werden die Vertriebs- und Serviceverträge aller Marken von Stellantis jetzt mit einer Frist von zwei Jahren gekündigt. Unsere Vision ist, ein nachhaltiges Vertriebsmodell zu fördern, das sich auf ein leistungsfähiges, effizientes und optimiertes Stellantis Mehrmarken-Vertriebsnetz stützt.

AH: Unter welchen Prämissen werden die verbleibenden Partner ausgewählt?

A. de Bourmont: Das zukünftige Vertriebsnetz wird zeitnah auf der Grundlage des Potenzials und objektiver Kriterien ausgewählt. Alle Interessengruppen werden von diesen Änderungen profitieren: Unsere Kunden, das Vertriebsnetz und Stellantis. Der Handel kann auf ein neues und effizientes Geschäftsmodell bauen, das darauf abzielt, Synergien zu schaffen, die Vertriebskosten zu optimieren, die Kundenzufriedenheit zu erhöhen und zusätzliche nachhaltige Geschäftsmodelle zu bieten.

AH: Wie viele Händler werden in Deutschland keinen Vertrag mehr erhalten?

A. de Bourmont: Ein großer Teil des bisherigen Netzwerkes wird auch in Zukunft einen Vertrag angeboten bekommen.

AH: Streben Sie vor allem Mehrmarkenhändler an?

A. de Bourmont: Unsere Strategie ist es, ein "Stellantis House" zu schaffen, was bedeutet, dass wir den Händlern die Möglichkeit bieten, weitere Stellantis-Marken mit aufzunehmen. Wir möchten es dem Handel natürlich attraktiver machen, weitere Stellantis-Marken in das Angebot aufzunehmen als Marken anderer Hersteller.

AH: Ist es sinnvoll, dass es künftig einen Stellantis-Händlerverband gibt? Sofern das von den einzelnen Marken überhaupt gewünscht wird?

A. de Bourmont: Die Frage, wie sich die Händler in Verbänden organisieren, können wir natürlich nicht beantworten. Wichtig ist mir, dass wir sowohl mit den Verbänden als auch mit den Händlern direkt einen offenen und direkten Austausch haben.

Das ausführliche Interview mit Stellantis-Deutschlandchef Amaury de Bourmont lesen Sie in AUTOHAUS 11/2021, das am 14. Juni erscheint. Darin auch der große Konzernvergleich: Jäger und Sammler – Stellantis vs. Volkswagen.

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KOMMENTARE


Rolf Bülov

31.05.2021 - 14:56 Uhr

Hersteller kommt von Herstellen und Händler von Handeln - mit welcher Chuzpe sich hier der Hersteller in der besseren Verhandlungsposition wähnt?


Verkaufsberater

31.05.2021 - 15:46 Uhr

wie wertvoll diese Aussage ist sieht man ja an dem Urteil aus Österreich und die Reduzierung der Händlermarge bei jeder neuen Modelleinführung zuletzt bei dem C3 um eben einmal 3%. Was ist nur aus diesem Konzern geworden? Übrigens als die Händler früher noch nicht so geknebelt wurden war auch der Marktanteil höher, komisch, oder?


Anton Gsandtner

31.05.2021 - 18:10 Uhr

Gerade Händler, die nach Fernost "fremdeln", haben ihre Wurzeln sträflich vernachlässigt. Ganz besonders nach Generationswechsel.


Opel Partner

01.06.2021 - 13:16 Uhr

Hier geht es doch nur um Macht und deren Durchsetzung: „Ein großer Teil des bisherigen Netzwerkes wird auch in Zukunft einen Vertrag angeboten bekommen.“ Wie wird hier „ein großer Teil“ definiert? Die großen Megadealer, die Mehrmarkenhändler mit dem gewissen finanziellen Polster? Was passiert mit dem Händler „gleich um die Ecke“? Ob der dann auch noch zum „großen Teil“ gerechnet werden kann?


seit Fusion

02.06.2021 - 18:21 Uhr

Kosten sparen um jeden Preis, das ist die Devise. Die Kundenzufriedenheit muss vom Händler gewährleistet werden, ob wohl der Kunde auch mal nicht mit dem gekauften Produkt zufrieden ist. Wenn die Kundenzufriedenheit schlecht ist, spart der Konzern. Lösungsvorschläge vom Konzern für Probleme (die bekannt sind) gibt es nicht oder sehr schleppend. Wenn jetzt nur noch Megadealer da sind, dann steigt die Kundenzufriedenheit sicher an (Ironie!!!) Aber eigentlich hat es ja jeder selber in der Hand, wo wir kaufen und was wir kaufen. Das fängt bei den Lebensmitteln an und hört beim Auto auf. Seit der Fusion sind wir Peugeot Händler, haben schon viele Kündigungen erlebt, sind immer noch da, aber besser und partnerschaftlich ist es nie geworden.


Tom

03.06.2021 - 23:02 Uhr

Achtung, haltet Abstand von solchen Blendern.


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