Volvo ES90 im Fahrbericht: Gediegener Gleiter

11.02.2026 06:08 Uhr | Lesezeit: 5 min
Volvo ES90
Mit dem neuen ES90 bietet Volvo auch im Elektrozeitalter eine gediegene Business-Limousine an.
© Foto: Volvo

Mit dem ES90 führt Volvo seine Tradition großer Limousinen ins Elektrozeitalter: Der neue Viertürer ist elegant, komfortabel und technisch ambitioniert. Das hat allerdings seinen Preis.

Volvos lange Limousinen-Tradition soll auch im Elektrozeitalter eine Fortsetzung finden. ES90 heißt das neue, fünf Meter lange Flaggschiff der Schweden, das die Ahnenreihe von 240 und 740 fortsetzen soll. Rein elektrisch angetrieben, versteht sich.

Retro sucht man beim ES90 vergeblich. Das einst für Volvo so typisch kantige und kastige Design ist längst Geschichte. Vielmehr setzen die Schweden auf ein coupéhaft verlaufendes Dach, das erst spät im Heck endet. Ein großes Kofferraumplateau wie einst gehört damit ebenfalls der Vergangenheit an. Dass es sich um einen Volvo handelt, verdeutlicht immerhin die Front mit ihrem Volvo-Logo, welches von "Thors Hammer"-Lichtern flankiert wird.

Volvo ES90: Gemacht für den Weltmarkt

Der ES90 wird für den Weltmarkt produziert, was sich unter anderem an den segmentierten, die Heckscheibe seitlich rahmenden Rücklichtstreifen zeigt. Die sind in Europa aus rechtlichen Gründen ihrer eigentlichen Funktion beraubt und deshalb darauf reduziert, in einer Begrüßungssequenz kurzzeitig zu leuchten.

Etwas hochbeinig ist der mit 3,10 Meter Radstand gestreckt wirkende Viertürer. Wie sein SUV-Bruder EX90 setzt der ES90 auf der SPA2-Plattform auf. Einerseits sorgt der Unterbau für eine erhöhte Bodenfreiheit von 18 Zentimeter, zudem sorgt die mächtige Batterie im Unterboden für eine erhöhte Karosserie. Die Proportionen sind deshalb gewöhnungsbedürftig. Das trifft auch auf das Lidarsystem auf dem Dach zu, das einen 250 Meter weiten Bereich vor dem Fahrzeug im Blick behält. Das ansonsten ruhig und unaufgeregte Design ist dennoch ansprechend und repräsentativ. Windschlüpfig ist es mit einem cw-Wert von 0,25 außerdem.


Volvo ES90 (2025)

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Volvo ES90: Raumgefühl und Komfort im Fokus

Im ES90 setzt Volvo klar auf Raumgefühl und Komfort. Dank XXL-Radstand bietet der Fond enorm viel Kniefreiheit. Die Sitzposition fällt dort allerdings etwas kompromissbehaftet aus: Weil sich über den erhöhten Unterbau eine flache, coupéhafte Limousinen-Karosserie spannt, muss man beim Einstieg leicht den Kopf einziehen. Zudem hat der Fußraum hinten eine zu geringe Tiefe, weshalb Erwachsene hier mit stark angewinkelten Beinen sitzen. Für Kinder passt das, auf langen Strecken dürfte erwachsenen Gästen früher oder später lästig werden. Pluspunkte gehen an die Fondpassagiere: separate Klimazone sowie Sitzheizung und -belüftung steigern den Langstreckenkomfort deutlich.

Vorn überzeugen sehr bequeme und vielfach elektrisch einstellbare Sitze und ein hochwertig wirkendes Ambiente. Zwei Bildschirme plus Head-up-Display dominieren das Cockpit, klassische Tasten sind rar. Entsprechend sind einige Funktionen nicht selbsterklärend. Der Tempomat wird zum Beispiel über den Gangwahlhebel aktiviert. In der Praxis funktioniert das sehr gut, doch ohne Erklärung wird man diese Funktion nicht herausfinden. Und das Handschuhfach lässt sich nur über einen Button im Menü öffnen.

Volvo ES90: Verarbeitung auf Premium-Niveau

Im Gegenzug präsentiert sich das Cockpit eben sehr aufgeräumt. Die Verarbeitung bewegt sich auf Premium-Niveau. Highlight ist das riesige Glasdach, das sich ebenfalls per Menü-Button elektrisch milchig abdunkeln lässt. Ebenfalls beeindruckend: das optionale Bowers-&-Wilkins-Soundsystem mit audiophilem Klang.

Praktisch zeigt sich der tief geschnittene Kofferraum mit weit öffnender Heckklappe, Zwischenboden und Zusatzstaufach. Dieser lässt sich von 424 auf 1.427 Liter erweitern. Vorn gibt es zudem einen kleinen 27-Liter-Frunk fürs Ladekabel. Abzüge sammelt die flache Heckscheibe, die auch wegen der drei Kopfstützen der Rückbank nur eingeschränkte Sicht nach hinten erlaubt.

Volvo ES90: In 6,6 Sekunden auf Landstraßen-Tempo

Insgesamt erlebten wir den ES90 als entspannten Gleiter. Diesen Eindruck vermittelte auch die Einstiegsversion mit ihrem 245 kW / 333 PS starken Motor, der allein die Hinterachse antreibt. Der Durchzug ist mehr als ordentlich. Der Sprint auf 100 km/h gelingt mit dem 2,4-Tonner in 6,6 Sekunden. Wie bei Volvo üblich, wird bei 180 km/h abgeregelt. Damit kommt man gut durch den Alltag. Wer es lieber giftiger mag, kann alternativ die beiden zweimotorigen Allradvarianten wählen, die 335 kW / 456 PS oder 500 kW / 680 PS leisten.

Der unaufgeregte Charakter der Single-Motor-Version passt ganz gut zum Fahrverhalten des ES90, denn das Fahrzeug erlebt man innen als extrem leise und entspannend. Zumal unser Testexemplar in der Topausstattung Ultra angetreten ist, die dann serienmäßig über das adaptive Luftfahrwerk verfügt. Eine Reiselimousine der feinen Art.

Testverbrauch im Winter: 22 kWh

Während die Allradvarianten einen 106 kWh großen Akku bieten, kommt die einmotorige Spielart mit einem kleineren Akku mit 92 kWh vorgefahren, wovon 90 kWh nutzbar sind. Laut WLTP liegt der Verbrauch zwischen 16 und 18,5 kWh, was eine offizielle Reichweite von 630 Kilometer erlaubt. Praktisch waren es bei vorwiegend über Landstraßen führenden Touren im flachen Umland von München und bei Temperaturen um den Gefrierpunkt 22 kWh. Wir sind mit einem zu 95 Prozent geladenen Akku gestartet. Nach 164 Kilometer waren 54 Prozent und 220 Kilometer Restreichweite übrig. Praktisch sind also im Winter um die 400 Kilometer möglich.

Dank 800-Volt-Betriebsspannung lassen sich bis zu 310 kW am Schnelllader abrufen. 260 Kilometer Reichweite sind so in zehn Minuten in der Batterie gespeichert. Für den Ladehub von zehn auf 80 Prozent verspricht Volvo 22 Minuten. Die AWD-Varianten vertragen sogar 350 kW Ladeleistung, was 275 Kilometer Reichweite in zehn Minuten erlaubt.

Volvo ES90: Die Preise

70.500 Euro kostet der ES90 als Single Motor in der Basisversion Core. 4.000 Euro zusätzlich werden für die Ausstattung Plus fällig, 12.000 Euro das Topniveau Ultra. Unter anderem wegen der empfehlenswerten Luftfederung ist diese Mehrinvestition eine Empfehlung wert. Dank Premium-Sound, Pilot-Assist-Paket, 22-Zoll-Rädern und einigen weiteren Extras kostete unser Exemplar sogar 92.600 Euro.

Die AWD-Varianten werden ohnehin nur mit der Ausstattung Ultra angeboten. Diese starten entsprechend deutlich höher bei 87.500 bzw. 93.000 Euro. Die Performance-Variante lässt sich mit einigen Extras also problemlos über die 100.000-Euro-Marke heben, was wiederum den Anspruch von Volvo, sich mit der deutschen Premiumkonkurrenz messen zu können, unterstreicht.


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