Auftakt des Schadenjahres 2026: Der 64. Deutsche Verkehrsgerichtstag in Goslar

02.02.2026 15:38 Uhr | Lesezeit: 6 min
Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner begrüßte die Gäste in der vollbesetzten Aula regis der Kaiserpfalz zur Eröffnung des 64. Deutschen Verkehrsgerichtstags.
© Foto: Stadt Goslar

Rund 1.800 Teilnehmer aus allen Rechtsgebieten, von Versicherungen, Sachverständigenverbänden, Werkstätten, Polizei, Gerichten, Staatsanwaltschaften, Automobilclubs, Verbänden und Dienstleistern aller Art fanden vergangene Woche wieder den Weg ins Harz. Auf dem Programm stand die 64. Auflage des Verkehrsgerichtstages (VGT) in Goslar – mit teils brisanten Themen in den obligatorischen acht Arbeitskreisen und entsprechenden Empfehlungen für den Gesetzgeber.

Während das Gros der rund 1.800 diesjährigen Teilnehmer des 64. Verkehrsgerichtstages (VGT) wie immer bereits den Mittwochabend für einen fachlichen Kollegenaustausch – meist auf den sogenannten "Stammtischen" nutzte, begann der offizielle Teil des Harzer Expertentreffs am Donnerstag Punkt 10 Uhr mit der feierlichen Eröffnung in der historischen Kaiserpfalz.

"Sind gekommen, um zu bleiben"

Dort begrüßte Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner rund 600 geladene Gäste aus dem In- und Ausland und unterstrich die Bedeutung des Verkehrsgerichtstags als zentrales Forum für aktuelle und zukünftige verkehrsrechtliche Fragestellungen.

Auch der Präsident des Deutschen Verkehrsgerichtstags, Professor Dr. Ansgar Staudinger, hob in seiner Ansprache die besondere Rolle der Tagung für die Weiterentwicklung des Verkehrsrechts hervor. Mit Blick auf die enge und langjährige Zusammenarbeit mit der Stadt Goslar bekräftigte er zugleich die Verbundenheit des Verkehrsgerichtstags mit dem Tagungsort: "Wir sind gekommen, um zu bleiben.", sagte er wörtlich. Zugleich dankte er der Stadt für die verlässliche Unterstützung: "Wir arbeiten Hand in Hand zusammen – jeder Wunsch wird möglich gemacht."


64. Deutscher Verkehrsgerichtstag

64. Deutscher Verkehrsgerichtstag in Goslar Bildergalerie

Den Plenarvortrag in der Kaiserpfalz, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, hielt Jens Rommel, Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof. Unter dem Titel "Das Auto als Waffe? – Zur strafrechtlichen Bewertung der Verwendung von Kraftfahrzeugen für verbotene Rennen, Amokfahrten und terroristische Anschläge" setzte er inhaltlich einen markanten Akzent zum Auftakt des Kongresses.

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Generalbundesanwalt Jens Rommel (Bundesgerichtshof) hielt den Plenarvortrag zum Thema "Das Auto als Waffe?".
© Foto: Stadt Goslar

"Zentraler Ort des rechtspolitischen Diskurses"

Mit insgesamt rund 1.800 angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmern schrieb der Deutsche Verkehrsgerichtstag auch im Jahr 2026 seine mittlerweile 64-jährige Erfolgsgeschichte weiter fort. Oberbürgermeisterin Schwerdtner betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Veranstaltung für Goslar und darüber hinaus: "Der Deutsche Verkehrsgerichtstag ist längst mehr als eine Fachtagung. Er ist ein zentraler Ort des rechtspolitischen Diskurses, dessen Empfehlungen seit Jahrzehnten Gesetzgebung, Rechtsprechung und Praxis prägen. Gerade vor dem Hintergrund tiefgreifender Veränderungen in der Mobilität bleibt dieses Forum unverzichtbar."

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Professor Dr. Ansgar Staudinger, Präsident des Deutschen Verkehrsgerichtstags, eröffnet den 64. Deutschen Verkehrsgerichtstag in der Kaiserpfalz.
© Foto: Stadt Goslar

Sanktions-Verschärfung fürs Handy und Radeln mit Alkohol

Auf der Fachtagung für Verkehrssicherheit und Verkehrsrecht debattierten am Donnerstag und Freitag Fachleute aus Justiz, Wissenschaft, Behörden und Verbänden über unterschiedlichste Themen. Beschlossen wurden dabei unter anderem eine neue Promillegrenze für Radfahrer und schärfere Strafen für die Handynutzung im Auto sowie Maßnahmen zur potentiellen, de facto aber wohl eher nicht erreichbaren Senkung von Führerscheinkosten. 

Gebrauchtteil-Reparatur steigt wie Phönix aus dem Harz

Zum zweiten Mal nach 1999 befasste sich der Verkehrsgerichtstag in diesem Jahr mit der Verwendung von Gebrauchtteilen bei der Instandsetzung von Unfallschäden. Erneut ging der Vorstoß auch 2026 wieder von der Allianz Versicherung und ihrem Allianz Zentrum für Technik aus. Im Unterschied zur Zeit von vor 27 Jahren hat die Gebrauchtteil-Reparatur jetzt aufgrund einer funktionierenden IT-Landschaft, digitalen Prozessen mit KI-Unterstützung und professionell vorbereiteten Logistik-Plattformen mit Echtzeit-Prozessen eine ganz andere Basis als damals.

Wie grün wird wohl die "Grüne Reparatur"?

Die Akzeptanz eines möglichst breiten Nutzermarktes aus der Versicherungswirtschaft soll es nun richten. Gleichwohl müssen – das hat der VGT-AK deutlich gemacht – noch diverse Branchenplayer auch aus Werkstatt-/Autohaus-, Sachverständigen- und Anwaltskreisen weiter überzeugt und aktiv auf die "Grüne-Reparatur-Reise" der Zukunft mitgenommen werden. 

Hoffnung auf Eingang in geltendes Recht

Der jährliche Kongress zählt zu den wichtigsten Treffen von Verkehrsexperten in Deutschland. Zum Abschluss des VGT gaben die acht Arbeitskreise am vergangenen Freitag ihre Empfehlungen an die Gesetzgeber ab. Nicht wenige dieser Resolutionen wurden in der Vergangenheit auch aufgegriffen und in geltendes Recht umgemünzt.

VGT-Rahmenveranstaltungen

Begleitet wurde der Verkehrsgerichtstag wie immer von zahlreichen Veranstaltungen im Stadtgebiet. Stadtführungen, kulturelle Angebote sowie abendliche Dämmerschoppen oder Stammtische ergänzten das fachliche Programm und bildeten die Basis zum Netzwerken.

Ein traditioneller Höhepunkt ist der Empfang der niedersächsischen Landesregierung im Besucherbergwerk Rammelsberg am Vorabend der Eröffnungsveranstaltung. Dort würdigte Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Wunderling-Weilbier die langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der Stadt Goslar und dem Deutschen Verkehrsgerichtstag.

Themen- und Ergebnis-Dokumentation

Die folgenden acht Meldungen von heute befassen sich detailliert mit der jeweiligen Themenstellungen und auch den nach Beendigung der Debattenlage gefassten Resolutionen.

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