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ADAS-Kalibrierung: Rechtssicherer Durchblick ab Modelleinführung

Nach dem Scheibentausch müssen alle „Augen“ des Fahrzeugs wieder ungetrübte Sicht haben.
© Foto: Carglass GmbH

Mittels eines markenübergreifenden Online-Zugangs ermöglicht Carglass die rechtskonforme Kalibrierung von erweiterten Fahrerassistenzsystemen fast aller neuen Fahrzeugmodelle. Ein Interview mit Roland Wilkes, dem Technik-Manager im Unternehmen.

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Carglass schafft Fakten: Dank eines markenübergreifenden Online-Zugangs gewährleistet der Kölner Autoglas-Spezialist mittlerweile die rechtskonforme Kalibrierung von erweiterten Fahrerassistenzsystemen (ADAS) bei nahezu allen neuen Fahrzeugmodellen direkt zur Markteinführung. Die Unsicherheit der ersten Monate nach dem Marktstart neuer Fahrzeugmodelle gehört nun der Vergangenheit an, Carglass treibt seine Expertise im Bereich der ADAS-Kalibrierung weiter voran.

Bereits vor über zwei Jahren brachte das Unternehmen in München das branchenweit erste Kalibrierungs-Center für „Advanced driver-assistance systems“ als wichtige Forschungs-, Entwicklungs- und Schulungseinrichtung an den Start. Jetzt verfügt Carglass zusätzlich über einen fabrikatsübergreifenden Online-Zugang zu den Kalibrierungsdaten auch brandneuer Fahrzeugmodelle, sobald diese im Markt eingeführt werden.

ADAS-Beherrschung unerlässlich

Bisher waren die notwendigen Informationen für die Kalibrierung ausgewählter Modelle insbesondere in den ersten Monaten nach Marktstart aufgrund von Datensicherheitsbarrieren nur für die Serviceorganisationen der Hersteller zugänglich. Eine zeitgleiche Datenverfügbarkeit ist allerdings heute auch für professionelle Autoglas-Unternehmen wichtiger denn je, da neue Fahrzeuge immer öfter mit Kamera- und anderen sicherheitsrelevanten Assistenzsystemen – vorzugsweise im Bereich der Windschutzscheibe – ausgestattet sind. Diese müssen nach einer Reparatur oder einem Ersatz der Scheibe „zu 100 Prozent nach Herstellervorgaben“ neu justiert werden.

Nur so ist eine exakte Funktion der unterschiedlichsten verbauten Systeme möglich, welche die Sicherheit der eigenen Fahrzeuginsassen, aber auch anderer Verkehrsteilnehmer gewährleisten – und wofür ein Autoglas-Reparaturbetrieb letztlich mit seiner Arbeit haftet. Das ADAS-Repertoire reicht bekanntermaßen vom Abstandstempomat über Spurhalte-Assistenten bis hin zu vielen weiteren Regeleingriffen in das Fahrzeug oder auch einer automatischen Notbremsung zur Vermeidung eines Unfalls. Darüber erhalten Flottenkunden ebenso wie Privatkunden einen rechtssicheren Nachweis in Form eines Prüf- und Messprotokolls. Ein wertvolles Dokument im Falle eines Unfalls, um vermeintlich falsch eingestellte FAS als Crashursache ausschließen zu können.

Roland Wilkes, Technical Research & Development Manager bei Carglass, erläutert im nachfolgenden AUTOHAUS-Gespräch die Hintergründe und schildert Vorteile, von denen die Kunden und Partner des Unternehmens profitieren.

AH: Herr Wilkes, als einziger Fahrzeugglasspezialist bietet Carglass bereits an allen 345 Standorten die Kalibrierung der Assistenzsysteme an. Welche Lücke schließen Sie jetzt zusätzlich mit dem neuen Online-Prozess?

R. Wilkes: Wir investieren schon seit vielen Jahren in die flächendeckende Werkstattausrüstung sowie die Schulung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für den Kalibrierungsservice erforderlich sind. Hier liegen wir bereits sehr weit vorn. Rund 100.000 Kalibrierungen führen wir in Deutschland pro Jahr durch. Immer mehr Fahrzeuge lassen sich aufgrund der „Security Gateways“ über die bisherigen Diagnosetools allein nicht mehr kalibrieren. Speziell innerhalb der ersten sechs Monate nach Markteinführung bleiben diese Daten bislang gut gehütet. Das stellt vor allem markenungebundene Kfz-Serviceanbieter – wie auch viele markengebundene Servicebetriebe – derzeit vor Herausforderungen. Mit unserem Zugang über das „asTech“-System schließen wir diese Lücke. Dank unserer flexiblen Lösung können wir sogar Modelle kalibrieren, bei denen der Prozess ausschließlich über „Diagnostic over Internet Protocol“ (DoIP) möglich ist. Wir erreichen beispielsweise auch die Steuergeräte von Fahrzeugen wie einem Range Rover Velar, einem Evoque oder Discovery. Insgesamt können wir dank dieses Systems eine nahezu lückenlose markenübergreifende Modellabdeckung vorweisen.

AH: Welcher Diagnoseprozess erfolgt dabei?

R. Wilkes: Es handelt sich konkret um eine Online-Schnittstelle mit einem direkten Zugang zu den Herstellerdaten. Abgedeckt sind dabei so gut wie alle neuen Modelle. Insofern ist dies die perfekte Ergänzung zum bewährten Hella Gutmann System. Über die OBD-Schnittstelle kann eine direkte Online-Verbindung zwischen dem Steuergerät des Fahrzeugs und den Daten der Hersteller realisiert werden. Die Kommunikation mit dem Dienstleister erfolgt via App. Wir arbeiten dazu in der gesamten Belron-Organisation mit der Technologie und dem Service von „asTech“ und können diesen neuen „Sehtest“ seit einigen Monaten bundesweit flächendeckend anbieten.

AH: Welche Kundengruppen profitieren von der erweiterten Carglass-Expertise?

R. Wilkes: Noch sind es „nur“ wenige neue Modelle, die in unseren Betrieben einen Anteil von ein bis zwei Prozent ausmachen. Der Anteil dieser Fahrzeuge wächst aber permanent weiter, so dass wir uns bereits heute auf den steigenden Bedarf unserer Kunden eingestellt haben. Unsere Partner aus der Versicherungswirtschaft können daher ebenso wie Flotten- und Privatkunden darauf vertrauen, dass der Scheibenersatz bei allen Modellen – auch bei fabrikneuen Fahrzeugen – rechtssicher inklusive eines Nachweises über die erfolgreiche Kalibrierung erfolgt. Heißt konkret: Im Falle der Kalibrierung von Fahrerassistenzsystemen nach einem Windschutzscheibentausch stellt Carglass durch ein umfassendes Protokoll bei jedem Fahrzeug sicher, damit die fehlerhafte Kalibrierung als Unfallursache zu 100 Prozent ausgeschlossen werden kann.

AH: Welcher Aufwand steht für Carglass dahinter?

R. Wilkes: Unser Unternehmen hat in den vergangenen Jahren rund fünf Millionen Euro in die technische Ausstattung investiert. Hinzu kommen rund 3.000 Weiterbildungsstunden, die unumgänglich sind, damit unsere Teams die Prozesse aus dem Effeff beherrschen. Für die Ausrüstung der Service-Center mit „asTech“-Diagnosetools sowie den erforderlichen Online-Zugängen sind weitere sehr hohe Investitionen erforderlich. Für jeden Kalibrierungsvorgang fallen zudem Servicegebühren der Hersteller und des Datenbankanbieters an – und für unsere Teams bedeutet das auch einen zusätzlichen Zusatzaufwand von mindestens 15 Minuten pro Fahrzeug.

100 Prozent Digitalisierung beim Autoglas

AH: Wie erfolgt die Aus- und Weiterbildung der Serviceteams in puncto Kalibrierung derzeit?

R. Wilkes: Unsere Programme laufen schon seit längerer Zeit online-basiert, so dass permanent ein effizienter Wissenstransfer erfolgen kann. Wir haben bereits seit April 2019 mit unserem Kompetenz-Center Kalibrierung in München einen Forschungs- und Entwicklungsstandort etabliert, mit dem wir die Digitalisierung stark vorangetrieben haben. Es erfolgt also eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Technologien und Prozesse. Wir führen an dem Standort unter anderem Tests mit unterschiedlichsten Diagnosetools bei neuen Fahrzeugmodellen durch – mit einem zunehmenden Anteil an Fabrikaten, die sich ausschließlich online via „asTech“ kalibrieren lassen. Wir sind sehr froh darüber, auf Basis unserer Fehleranalysen Kalibrierungsprobleme bei bestimmten Modellen auch in Zusammenarbeit mit Partnern wie „Hella Gutmann Solutions“ frühzeitig lösen zu können, bevor diese Fahrzeuge in unserenService-Centern stehen.

AH: Die Digitalisierung prägt somit zunehmend auch das Autoglas-Geschäft?

R. Wilkes: Ganz genau. Sicher geht es in unserem Bereich immer auch um handwerkliche Leistungen auf höchstem Niveau. Das Know-how rund um die Kalibrierung von Fahrsicherheitssystemen und die zusätzliche vernetzte Werkstattausrüstung ist aber ganz klar ein wichtiger Bestandteil der Carglass-Digitalisierungs-Strategie, die uns in den nächsten Jahren in vielen Bereichen voranbringen und insgesamt die Wettbewerbsfähigkeit unserer Standorte erhöhen wird. Wir rechnen daher damit, dass wir durch diese digitalen Services viele neue Kunden überzeugen werden. Dazu zählen beispielsweise auch die nahtlose und sehr transparente Integration unserer Serviceleistungen in die Kundenbetreuung von Versicherungsunternehmen oder Flottenbetreibern, maßgeschneiderte Online-Booking-Lösungen oder digitale Rechnungsschnittstellen. So bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit, alle relevanten Schritte im Prozess kosteneffizient, transparent, sicher und einfach zu bündeln.

AH: Vielen Dank für diese Einblicke, Herr Wilkes. (kaf)

Die Justage der „ADAS“-Systeme ist komplex, zeitaufwendig und erfordert professionell geschulte Fachkräfte, so Roland Wilkes, Technical Research & Development Manager bei Carglass.
© Foto: Carglass GmbH
Anfang 2019 eröffnete Carglass in München das branchenweit erste Kalibrierungs-Center für „Advanced driver-assistance systems“ (ADAS). Zusätzlich KI-ausgestattet mit einer sicheren Mensch-Maschine-Schnittstelle, sollen diese „erweiterten Fahrerassistenzsysteme“ die Verkehrssicherheit insgesamt erhöhen.
© Foto: Presse + PR Pfauntsch
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KOMMENTARE


Andreas Baumgartner

06.09.2021 - 10:22 Uhr

Unbestritten, Belron Deutschland ist hier wieder einen Schritt in Sachen Rechtsicherheit beim Kalibrieren vorangekommen. Jedoch solange bei statischen Kalibrierungen die Verwendung der OEM Kalibrier- und Justiermittel und deren wiederkehrende Überprüfung in Rahmen einer Quasi Prüfmittelüberwachung wird man die letzte Lücken nicht schließen. Zudem werden die OEM Hersteller im Rahmen der Einführung von teilautonomen Fahrzeugen mit weiteren neuartigen Sensoren zumindest am Anfang nicht auf neue und noch aufwändigere Kalibriereinrichtungen verzichten können. Auch wenn die Sensoren nicht direkt hinter der Scheiben sitzen kann es bei Anwendung der Sensordatenfusion erforderlich werden, das nach dem Scheibentausch auch weitere Sensoren an anderen Stelle des Fahrzeugs, mitkalibriert werden. Innovationen im Automobilbau haben in den wenigstens Fällen für Vereinfachung gesorgt. Belron kann es sich jedoch leisten auch dieser Herausforderung anzunehmen.


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