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Händlertagung: Vorsichtiger Optimismus bei Deutschlands Alfa Romeo- und Jeep-Händlern

Der neue Vorstand des Jeep, Alfa Romeo, Ram & Dodge Händlerverbands (v. li.): Marco Metzen, Thomas Gauch (stv. Vorsitzender), der neue Händlerverbandspräsident Adrian Glöckner, der neue Ehrenpräsident Peter Jakob, Benjamin Jakob (stv. Vorsitzender) und Thomas Kummich.
© Foto: Jeep, Alfa Romeo, RAM & Dodge Händlerverband e.V.

Auf der gestrigen Tagung des Jeep, Alfa Romeo, RAM & Dodge Händlerverbands zeigte sich, dass der Handel mit Markenstrategie und Modellpolitik von Stellantis in vielen Punkten übereinstimmt. Gesprächsbedarf gibt es aber weiterhin. Daneben gaben die anwesenden Händler ihrem Verband mit einer Satzungsänderung ein scharfes Schwert für mögliche Konflikte mit dem Hersteller an die Hand.


Datum:
17.11.2021
Autor:
aw
Lesezeit: 
4 min
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Die Stimmung bei den deutschen Partnern des Autoriesen Stellantis-Konzerns ist vielerorts am Tiefpunkt. Nicht umsonst belegten Citroen, Opel und Peugeot in diesem Jahr die letzten Plätze beim IfA-Markenmonitor zur Händlerzufriedenheit. Etwas anders sieht die Lage dagegen bei den 57 Jeep-, Alfa Romeo-, Dodge- und Ram-Händlern aus, die sich gestern zur Jahreshauptversammlung ihres Händlerverbands in Kassel trafen. Adrian Glöckner, frisch gekürter Präsident des Händlerverbands, berichtete im Gespräch mit AUTOHAUS, die Stimmung auf der Tagung sei "grundsätzlich gut" gewesen.

"Da weht ein anderer Wind"

Denn nach Ansicht vieler Händler habe sich bei Jeep und Alfa Romeo infolge der Fusion von FCA und PSA zu Stellantis manches zum Positiven verändert. Beispielsweise habe der Druck zu Eigenzulassungen und Rabatten massiv abgenommen. Infolgedessen sei auch der Intrabrand-Wettbewerb spürbar zurückgegangen und die Restmargen seien merklich nach oben geklettert. Bereits vor einigen Wochen habe Alfa Romeo-Chef Jean-Philippe Imparato bei einer Händlerpräsentation in Rüsselsheim explizit erklärt, man wolle sich vom Preisdumping früherer Jahre verabschieden, sagte Glöckner. "Da weht jetzt ein anderer Wind", konstatierte er.

Und das sei nicht nur den aktuellen Lieferengpässen bei Neuwagen geschuldet. Diese betreffen natürlich auch die Alfa Romeo und Jeep-Händler. Allerdings seien die Lager vieler Autohäuser zu Beginn der Lieferkrise rappelvoll gewesen. Davon zehre man bis heute, sagte Glöckner. Eng werde es voraussichtlich erst ab Frühjahr 2022.

Ausstieg aus dem Händlernetz könnte sich lohnen

Auch die Kündigung der Händlerverträge habe für viele Alfa Romeo und Jeep Partner nach dem anfänglichen Schock viel von ihrem Schrecken verloren, sagte Glöckner. Das bestehende Händlernetz mit rund 120 Partnern soll nach Angaben des Verbandes nicht großflächig ausgedünnt werden und die allermeisten Partner einen Folgevertrag erhalten. Der Wert von 15 Prozent weniger Händlern, der aktuell im Gespräch ist, sei seines Wissens nach eher die maximale Obergrenze, so der Händlerverbandspräsident. "Ob die 15 Prozent valide sind, ist unklar."

Unbestritten ist aber: Einige Partner werden definitiv aus dem Netz ausscheiden. Verbandsanwalt Andreas Nodoushani informierte die Mitglieder deshalb in einem Vortrag über ihre juristischen Optionen im Zuge der Vertragskündigung und ihre Möglichkeiten beim Ausgleichsanspruch. Diesen genau durchzurechnen könne sich für manchen Betrieb durchaus lohnen, so die Botschaft. Aktuell versucht der Verband zudem, mit Stellantis eine Ausscheidensvereinbarung zu finden, bei der die betroffenen Partner pauschale Zahlungen erhalten. Das soll den Aufwand für die einzelnen Händler reduzieren.

Aftersales-Probleme und mangelhafte Kommunikation trüben das Bild

Das Agenturmodell, das im Zuge der neuen Händlerverträge eingeführt werden soll, wurde nach Aussage von Glöckner nur kurz angeschnitten. Hier komme es auf die Details an. Die jedoch lägen noch nicht auf dem Tisch, daher seien Diskussionen darüber aktuell noch nicht sinnvoll, hieß es. Kritischer diskutiert wurden dagegen die anhaltenden Probleme im Aftersales-Bereich. Bei vielen Ersatzteilen gebe es beispielsweise seit Monaten erhebliche Lieferprobleme. Deren Preise seien außerdem in vielen Fällen deutlich zu hoch. Ein weiteres Problem seien die viel zu komplizierten Garantieabrechnungen. Bemängelt wurde außerdem die Kommunikation zwischen Stellantis und seinen Partnern. Hier gebe es noch viel Verbesserungspotential, hieß es. Es sei durch die ständigen Veränderungen nicht klar, wer im Konzern für welche Themen verantwortlich ist. Zudem seien viele Ansprechpartner schlicht nicht erreichbar, so die Klage.

Vom Gescholtenen stellte sich eine ganze Reihe von Vertretern der Diskussion mit dem Handel. Vor Ort waren etwa Alfa Romeo und Jeep Country Manager Niccolò Biagioli, Vertriebsleiter Benedikt Wiesmann sowie der scheidende CEO der FCA-Bank Federico Berra mit seinem Nachfolger Karsten Borkowski. Hinzu kam per Video-Schalte Jeep-Europa-Chefin Antonella Bruno. Sie gab den Händlern einen Ausblick auf das Modellprogramm der kommenden Jahre, unter anderem mit dem neuen Grand Cherokee ab 2022 und dem Junior Jeep ab 2023. "Was wir da gehört haben, lässt uns sehr positiv nach vorne blicken", befand Glöckner.

Neuer Vorstand gewählt

Wichtige Tagesordnungspunkte waren daneben noch die Wahl eines neuen Vorstandes, aus dem sich der bisherige Händlerverbandspräsident Peter Jakob nach mehr als zwanzig Jahren zurückzog (wir berichteten). Zum Dank für sein langjähriges Engagement erhielt Jakob von seinen Händlerkollegen zum Abschied Standing Ovations. Für das fünfköpfige Vorstandsgremium gab es insgesamt sieben Bewerber – ein gutes Zeichen dafür, dass der Verband relevant und lebendig sei, wie Peter Jakob im Gespräch mit AUTOHAUS befand. Gewählt wurden Marco Metzen, Thomas Gauch (stv. Vorsitzender), Adrian Glöckner (Vorsitzender), Benjamin Jakob (stv. Vorsitzender) sowie Thomas Kummich.

Händlerverband bekommt Klagerecht

Mit Peter Jakob hat der Verband zudem ab sofort einen Ehrenpräsidenten. Möglich machte das eine Satzungsänderung, die die Mitglieder beschlossen. Das war allerdings nicht die einzige Reform. Die Mitglieder stimmten auch einem Passus zu, wonach der Verband die Interessen seiner Mitglieder ab sofort mittels Zivilklagen und Beschwerden vor den Kartellbehörden vertreten darf. Laut dem angenommenen Entwurf, der der Redaktion vorliegt, ist jeweils eine einfache Mehrheit der Mitgliederversammlung nötig, damit der Verband aktiv werden darf. Konkret heißt es, der Verband solle die Interessen der Mitglieder wahren "…im Falle von Maßnahmen, Handlungen oder Unterlassungen der jeweiligen Importeursgesellschaft, die geeignet sind, die wirtschaftliche Ertragskraft der Mitglieder beim Vertrieb der Vertragsware und/oder bei der Erbringung von Serviceleistungen zu beeinträchtigen (insbesondere bei Margen- und anderen Leistungskürzungen). Dass man ein Klagerecht des Verbandes in die Satzung aufgenommen habe, bedeute aber nicht, dass man dieses nun extensiv nutzen wolle, betonte Glöckner. Man wolle sich nur eine strategische Option für den Fall der Fälle geben.

Und noch eine dritte Satzungsänderung gab es: Zum Abschluss benannte sich der Verband nun auch offiziell in seiner Satzung in "Jeep, Alfa Romeo, RAM & Dodge Händlerverband e.V." (JARD) um. Damit vollzieht der Händlerverband die bereits Ende 2019 beschlossene und praktizierte Aufnahme der Marken Dodge und Ram.

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