Der europäische Automobilhandel steht vor einer Neujustierung seiner Kräfteverhältnisse. Was lange als operative Kennzahl galt, entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Gradmesser: die Zufriedenheit der Händler mit ihren Herstellern.
Das zeigt die aktuelle Ausgabe der Studie "European Automotive Retailer Satisfaction" (EARS) des Forschungsinstituts Quintegia, die jüngst auf dem "Automotive Dealer Day 2026" in Verona vorgestellt wurde. Die Untersuchung wertet mehr als 4.500 Rückmeldungen aus fünf großen Märkten aus – Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und dem Vereinigten Königreich – und vergleicht 22 Marken entlang zentraler Leistungsdimensionen.
Im Gesamtranking setzte sich Toyota erneut an die Spitze und verteidigte damit seine führende Position. Mit einem Wert von 3,99 Punkten liegt die Marke knapp vor Dacia (3,97) und BMW (3,93), gefolgt von Mercedes-Benz und Renault. Besonders starke Bewertungen aus Italien und Frankreich trugen zum erneuten Erfolg bei, wie Quintegia mitteilte.
"Es ist eine große Ehre, diese prestigeträchtige Auszeichnung auf europäischer Ebene bereits zum zweiten Mal in Folge zu erhalten. Dieser Erfolg hat für Toyota Italien eine noch größere Bedeutung, da die Zufriedenheit der italienischen Automobilhändler mit unserer Marke eine entscheidende Rolle gespielt hat", sagte Alberto Santilli, Chef von Toyota Motor Italia, bei der Preisverleihung.
Nach seinen Worten steht das Händlernetz weiterhin im Mittelpunkt der Toyota-Strategie: "Wir sind fest davon überzeugt, dass wir nur durch eine starke und langfristige Partnerschaft mit den Unternehmern, die unsere Marke vor Ort vertreten, neue Ziele erreichen und das Vertrauen unserer Kunden weiter stärken können." Diese Auszeichnung bestätige zudem die Qualität und Zuverlässigkeit der Toyota-Modelle sowie die Stärke der Multi-Technologie-Strategie.
Jenseits des Rankings zeichnet die Studie ein differenziertes Bild der Automobilbranche im Umbruch. Händler gewichten Faktoren wie Transparenz, operative Zusammenarbeit und unternehmerische Planbarkeit zunehmend höher. Auch der Wunsch nach klaren strategischen Perspektiven seitens der Hersteller gewinne an Bedeutung, heißt es.
Abstimmungsbedarf zwischen Händler und Hersteller wächst
Die Ergebnisse spiegeln laut den Quintegia-Experten einen tiefgreifenden Wandel wider: Händlernetze werden nicht mehr allein als Vertriebskanäle betrachtet, sondern als integrale Bestandteile der Markenstrategie. Ihre Leistungsfähigkeit beeinflusst maßgeblich Kundenerlebnis, Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit.
Vor diesem Hintergrund wird die Qualität der Beziehung zwischen Herstellern und Handel zu einem entscheidenden Differenzierungsmerkmal. In einem Umfeld, das von Elektromobilität, Digitalisierung, Margendruck und veränderten Kundenerwartungen geprägt ist, wächst der Abstimmungsbedarf zwischen beiden Seiten.
Die Studie selbst ist Ergebnis einer breiten europäischen Zusammenarbeit. Neben Initiator Quintegia waren unter anderem die AUTOHAUS-Redaktion und das Institut für Automobilwirtschaft (IfA) sowie nationale Branchenorganisationen beteiligt. Ziel ist es, Marktstimmungen vergleichbar zu machen und gemeinsame Entwicklungen sichtbar zu machen. Damit versteht sich EARS nicht nur als Analyseinstrument, sondern auch als Plattform für den Dialog innerhalb der Branche.
Der vollständige EARS-2026-Report steht hier zum Download bereit!