Premium – Made in China: Mit IM5 und IM6 will MG aufschließen

06.07.2026 16:09 Uhr
Die neue Marke IM tritt gegen Tesla und Co. an
© Foto: MG Motor

Bislang präsentierte sich MG ausschließlich als Volumenhersteller. Nun strebt die zum chinesischen SAIC-Konzern gehörende Automarke nach Höherem. Ab Herbst sollen die Businesslimousine MG IM5 und das dazugehörige SUV IM6 als technologische Speerspitze Richtung Premium fahren.

Erfolg macht mutig und erhöht bisweilen die Risikobereitschaft. Zu beobachten ist dies derzeit bei MG. Die britische Marke – sie gehört seit fast 20 Jahren zum chinesischen Autokonzern SAIC – tummelte sich bislang im Markt der sogenannten Brot-und-Butter-Autos, und dies recht vielversprechend. Im vergangenen Jahr verkaufte SAIC über 4,5 Millionen Autos. Der MG4 EV, ein Kompaktmodell in Golf-Größe, avancierte bei uns in kurzer Zeit zum meistverkauften Elektroauto aus chinesischer Produktion. Mittlerweile zählen auch zwei recht attraktive SUV, der S5 EV und der S6 EV, zum europäischen Portfolio.

Einstieg in die Premiumklasse

Jetzt plant man den Aufstieg in die Premiumklasse und gründete hierzu schon vor über fünf Jahren die Submarke IM. Die Buchstaben – ausgesprochen Ei-Emm – stehen für die englische Bezeichnung "Intelligence in Motion". Untermauert werden soll der Premiumanspruch durch neu entwickelte Technologien. So sind die 4,93 Meter lange Businesslimousine MG IM5 und das technisch identische SUV IM6 (4,90 Meter) die ersten Elektromodelle für Europa, die auf einer 800-Volt-Architektur basieren. Hinzu kommen Heck- oder Allradantrieb sowie Allradlenkung.

Positionierung und Preisstrategie

Trotz üppiger Ausstattung und hochwertiger Qualität im Interieur will MG sich preislich auf moderatem Niveau bewegen und zielt hierzulande – wie schon im Heimatland – vor allem auf Tesla. Doch auch Xpeng, Xiaomi und Zeekr, eine Premiummarke von Geely, dürften zum direkten Wettbewerbsumfeld zählen. Weniger im Fokus stehen dagegen die deutlich teureren Modelle von BMW, Audi und Mercedes.

Für den IM5 sind mindestens 53.990 Euro fällig, das SUV IM6 startet bei 56.990 Euro. Um mit solchen Preisen noch Gewinne zu erwirtschaften, setzt man auf die kostengünstige Produktion in China und einen bereits etablierten Vertrieb in Europa. Eigene Showrooms oder exklusive Händler sind nicht geplant – IM wird vollständig in das bestehende Netz integriert.

Raumangebot und Komfort

Die Mehrzahl der Kunden dürfte sich auch hierzulande für die praktikablere SUV-Variante entscheiden. Das Platzangebot ist aufgrund des fast drei Meter langen Radstands üppig und wird subjektiv durch das riesige Panoramadach noch verstärkt. Hinter den Rücksitzen stehen 665 Liter Gepäckraum zur Verfügung, bei umgeklappten Lehnen bis zu 1.640 Liter.

Auch beim Komfort legt MG nach: Doppelte Verglasung soll Fahrgeräusche merklich reduzieren, eine optionale Luftfederung den Reisekomfort erhöhen.

Antrieb und Fahrleistungen

Im Boden steckt ein Akku mit einer Kapazität von 100 kWh. MG gibt eine WLTP-Reichweite von 625 Kilometern (Heckantrieb) und 545 Kilometern (Allrad) an. Die Heckantriebsvariante leistet 300 kW (407 PS) und liefert 500 Newtonmeter Drehmoment. Beim IM6 mit Allrad wird es deutlich sportlicher: 553 kW (751 PS) und 802 Nm Drehmoment ermöglichen den Sprint von null auf 100 km/h in 3,5 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 220 km/h begrenzt.


MG IM5 und IM6 (2026)

MG IM 5 Bildergalerie

Schnellladen und Technologie

Stolz sind die IM-Entwickler auf die Ladetechnik: An DC-Schnellladesäulen sollen bis zu knapp 400 kW möglich sein. Unter optimalen Bedingungen lässt sich der Akku von zehn auf 80 Prozent in rund 17 Minuten laden – genug Energie für etwa 355 Kilometer.

Auch bei Konnektivität, Fahrassistenz und Infotainment sieht sich MG gut aufgestellt. Das Cockpit wird von einem langgezogenen Panoramadisplay geprägt, darunter sitzt ein zusätzlicher vertikaler Bildschirm, über den nahezu sämtliche Funktionen per Touch gesteuert werden. Klassische Schalter sind weitgehend verschwunden – im Gegensatz zur aktuellen Entwicklung bei deutschen Herstellern, die wieder stärker auf physische Bedienelemente setzen.

Neu ist unter anderem der "Rainy Night Mode". Er hilft bei Regen und Dunkelheit, unübersichtliche Situationen wie Abbiegevorgänge oder das Auftauchen von Fußgängern und Radfahrern besser zu erfassen, indem das Verkehrsgeschehen visueller aufbereitet wird.

Ebenfalls fortschrittlich wirkt der One-Touch-iAD-Parkassistent: Ein Fingertipp genügt, und das Fahrzeug parkt automatisch längs oder quer ein. Zudem kann es bis zu 100 Meter selbstständig zurücksetzen – etwa aus engen Sackgassen.

IM5: Die sportlichere Alternative

Mit identischer Technik ist auch der MG IM5 ausgestattet. Dank besserer Aerodynamik erreicht die Limousine eine Reichweite von bis zu 710 Kilometern (Heckantrieb), während die Allradversion 575 Kilometer schafft.

Mit 553 kW (751 PS) beschleunigt der IM5 in 3,2 Sekunden auf 100 km/h – ein Niveau, das man sonst eher von Porsche-Turbo-Modellen kennt. Auch die Höchstgeschwindigkeit fällt mit 268 km/h ungewöhnlich hoch aus; limitiert wird sie in diesem Fall nicht durch den Antrieb, sondern durch die Reifen.


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