Die neue E-Auto-Prämie wird nach Einschätzung deutscher Automobilhändler spürbare Auswirkungen auf die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen haben. Allerdings fallen die Erwartungen je nach Marke sehr unterschiedlich aus. Das geht aus einer aktuellen Mitgliederbefragung des Verbands der Automobilhändler Deutschlands (VAD) hervor.
An der Umfrage beteiligten sich 15 Händlergruppen, die nach Angaben des VAD sämtliche relevanten Automarken auf dem deutschen Markt vertreten. Zusammen repräsentieren die Antworten ein geschätztes Absatzvolumen von rund 400.000 Fahrzeugen.
Nachfrage wird deutlich steigen
Insgesamt rechnen 43 Prozent der teilnehmenden Autohäuser mit einem Nachfrageanstieg zwischen fünf und 25 Prozent. Weitere 21 Prozent erwarten sogar eine Belebung um 50 bis 75 Prozent. Die Einschätzungen zeigen, dass die Branche der Förderung grundsätzlich positive Effekte zutraut. Gleichzeitig fällt auf, dass die erwarteten Vorteile sehr unterschiedlich auf die einzelnen Hersteller verteilt sind.
Chinesische Marken im Vorteil
Am stärksten profitieren nach Ansicht der Händler chinesische Hersteller. Bei MG erwarten 21,4 Prozent der Befragten einen Nachfrageanstieg zwischen 50 und 75 Prozent. Weitere 14 Prozent gehen sogar von einem Wachstum von mehr als 75 Prozent aus. Auch BYD zählt zu den möglichen Gewinnern der staatlichen Förderung. Rund 40 Prozent der Befragten rechnen hier mit einer Nachfragesteigerung von mehr als 50 Prozent.
Der VAD sieht darin einen Hinweis darauf, dass die Prämie den chinesischen Anbietern helfen könnte, ihre Marktposition in Deutschland weiter auszubauen.
Volumenmarken mit gemischtem Bild
Weniger optimistisch fallen die Erwartungen bei vielen europäischen Volumenmarken aus. Bei Opel rechnen 29 Prozent der Händler mit einem Nachfrageplus zwischen zehn und 25 Prozent. Nur sieben Prozent erwarten ein Wachstum von mehr als 50 Prozent. Ähnlich zeigt sich das Bild bei den Schwestermarken Peugeot und Citroën. Dort gehen 36 Prozent der Händler von Zuwächsen zwischen zehn und 25 Prozent aus. Lediglich sieben Prozent erwarten einen deutlich stärkeren Effekt.
Bei Volkswagen rechnen 14 Prozent der Befragten mit einem Nachfrageanstieg bis 25 Prozent, während 21 Prozent ein Wachstum von bis zu 50 Prozent prognostizieren.
Skoda und Cupra stechen hervor
Innerhalb der etablierten Hersteller wird besonders Skoda positiv bewertet. Hier rechnen 29 Prozent der Händler mit einem Nachfrageanstieg zwischen 25 und 50 Prozent. Auch Cupra wird vergleichsweise gute Chancen eingeräumt. Dort erwarten 21 Prozent der Befragten eine ähnliche Entwicklung.
Premiumhersteller profitieren weniger
Deutlich geringer schätzen die Händler die Wirkung der Förderung bei den Premiummarken ein. Für Mercedes-Benz gehen 36 Prozent der Befragten von einem Nachfrageplus zwischen fünf und zehn Prozent aus. Bei BMW erwarten 29 Prozent der Händler lediglich Zuwächse in dieser Größenordnung. Nach Einschätzung des VAD spielen in diesem Segment attraktive neue Modelle eine größere Rolle als die staatliche Förderung.
Mehrheit erwartet Vorzieheffekte
Grundsätzlich bewerten viele Händler die langfristige Wirkung der Prämie skeptisch. Rund 79 Prozent der Teilnehmer gehen davon aus, dass die Förderung vor allem Kaufentscheidungen vorzieht und den Markt nicht dauerhaft belebt. Zudem sehen 86 Prozent der Befragten eine Begünstigung chinesischer Hersteller. Entsprechend hoch fällt die Zustimmung für eine Ausweitung der Förderung auf junge Gebrauchtwagen aus: 90 Prozent der Händler sprechen sich dafür aus.